„Felssturzschauen“ als neuer Hit

Den gewaltigen Felssturz am Felbertauern mit eigenen Augen zu sehen, interessiert Osttiroler wie Touristen gleichermaßen. Posten sorgen dafür, dass die Absperrungen respektiert werden.

Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. –„Wenn ich wieder aus dem Tal hinausfahre, bleibe ich sicher beim Felssturz stehen und mache ein Foto“, erzählt ein Wandergast aus Wien, der gerade beim Gasthof Matreier Tauernhaus in den Bummelzug Richtung Innergschlöss steigt. „Das ist schließlich etwas Gewaltiges.“ Die Baustelle für die Ersatzstraße beeindruckt ihn weniger, obwohl er meint: „Es ist gut, dass sie gemacht wird.“ Eine Urlauberfamilie, ebenfalls aus Wien, die im Gastgarten des Tauernhauses sitzt, kannte den Anblick des Felssturzes zwar aus dem Internet, doch „in Wirklichkeit sieht es doch ganz anders aus“, meint die Mutter. „Die Geröllmassen reichen viel weiter herunter.“ Besonders fasziniert von der ungeheuren Kraft der Natur sind die drei kleinen Buben der Familie. „Sie fragen immer wieder, wie es passieren kann, dass ein Berg plötzlich zerbröselt“, schmunzelt der Vater. Ob ein Foto gemacht wird? „Vielleicht schon“, meint die Frau.

Im Schankraum des Gasthauses sitzen mehrere Männer, die auf der Baustelle für die Ersatzstraße zu tun haben. Das große Interesse an der verschütteten Felbertauernstraße ist ihnen schon aufgefallen. „Es gibt wohl auch so etwas wie einen Katastrophentourismus“, meint einer von ihnen.

Vor dem Tauernhaus wartet der Chauffeur des Taxidienstes ins Innergschlöss auf Kundschaft. „Ob der Felssturz bei den Gästen ein Thema ist?“, lacht er. „Das ist sogar noch wichtiger, als welcher Berg der Großvenediger ist.“ Viele Schaulustige würden ein- und ausfahren, wohl aus Neugierde, glaubt der Taxler. „Dabei ist es viel wichtiger, dass die Ersatzstraße bald fertig wird. Uns fehlen die Gäste aus dem Pinzgau und dem Kitzbüheler Raum, solange der Felber zu ist.“ Die Arbeiten würden zügig vorangehen, meint er, schließlich würden die Firmen sogar am Sonntag an der Ersatzstraße arbeiten.

Einen guten Überblick hat der Mautner der Felbertauernstraße, der während der Straßensperre nicht im Mauthäuschen sitzt, sondern vor dem Absperrgitter wacht. „Manchmal kommen Motorradfahrer, die versuchen, um die Absperrung herumzufahren. Sie denken wohl, mit der Maschine könnten sie schon irgendwie am Felssturz vorbei auf die andere Seite kommen“, schildert der Mann. Nicht nur dafür ist er zuständig, sondern auch, um verirrten Touristen zu helfen. „Manche sind sich einfach nicht bewusst, dass es hier kein Weiterkommen gibt. Ich erkläre ihnen dann, welche Umfahrungen sie nehmen können.“ Was dem Posten noch auffällt: „Es fahren wirklich viele Autos Richtung Tauernhaus und gleich wieder heraus“, so der Mitarbeiter. „Jeder Zweite kommt wohl nur zum Felssturzschauen.“


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