Fantasy-Zauberflöte als Musiktheater-Spektakel

Farben, Farben, Farben: Die Bregenzer Festspiele inszenierten Mozarts „Zauberflöte“ als buntes Fantasy-Spektakel, bei dem sogar das Wetter einen Teil der Regie übernahm.

Bregenz – Mit einer spektakulären Neuinszenierung der Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ auf der Seebühne haben die 68. Bregenzer Festspiele am Mittwochabend künstlerisch begonnen. Bundespräsident Heinz Fischer und knapp 7000 Besucher erlebten einen insgesamt bunten, turbulenten und überraschenden Premierenabend unter freiem Himmel. Knapp vor Ende setzte leichter Regen ein, der den freundlichen Schlussbeifall wohl etwas abkürzte.

David Pountney, dessen Intendanz 2014 endet, hebt in seiner Abschieds-Inszenierung die humanistisch-aufklärerische Seite der „Zauberflöte“ hervor. Er unterstreicht fragwürdige Machtstrukturen bei Sarastro oder der Königin der Nacht und lässt das hart geprüfte Paar Tamino und Pamina getreu dem Festival-Motto „Dem Licht entgegen“ in eine hoffnungsvolle Zukunft aufbrechen. Die knapp zweieinhalb Stunden lang abrollende intelligente Musiktheater-Show bringt viel Fantasy, Science-Fiction, luftakrobatische Stunts oder halsbrecherische Break Dances und erinnert phasenweise an einen mit Musik unterlegten Krieg der Sterne. Letztlich bleiben in dieser Deutung die alten Mächte auf der Strecke, und die menschliche Liebe trägt den Sieg davon.

Finale schrammt knapp am Kitsch vorbei

Das Finale mit Regenbogen-Peace-Leibchen für Tamino und Pamina sowie den auf der Publikumstribüne aufmarschierenden Prager Philharmonischen Chor schrammt knapp am Kitsch vorbei.

Auf der von überdimensionalen „Drachenhunden“ (für Weisheit, Vernunft, Natur) beherrschten Freiluftbühne (Ausstattung Johan Engels) entwickelt sich zeitweise ein geradezu überbordendes, exakt durchchoreografiertes Getümmel. Es ist aber auch Platz und Zeit für berührende und intime Kammerspiel-Szenen. Dem Auge wird - etwa mit dem aufblasbaren Gras-Wald in unterschiedlicher Beleuchtung - jedenfalls mehr als genug geboten. Die im Festspielhaus von Patrick Summers geleiteten Wiener Symphoniker und mit ihnen Mozarts Musik können dank perfekter Tonübertragung gegen das optische Bühnen-Furioso durchaus bestehen.

Sänger-Ensemble überzeugte

Das internationale Sänger-Ensemble in der Premieren-Besetzung überzeugte durchwegs: Alfred Reiter mit profundem Bass als Sarastro, Norman Reinhardt mit eher für Wagner prädestinierten metallisch klarem Tenor als Prinz Tamino, Gisela Stille als leidgeprüfte Pamina, Daniel Schmutzhard mit viel Spielfreude und kräftigem Bass-Bariton als Vogelfänger Papageno, Denise Beck als seine neckische Papagena und vor allem Ana Durlovsky als stimmlich wie optisch alles überstrahlende Königin der Nacht. Die drei Damen werden durch überdimensionale, farbenprächtige Vogelpuppen repräsentiert, die drei Knaben (gesungen von Sopranistinnen) erinnern an Homunkulus-Figuren mit zu großen Köpfen.

Bis 18. August steht das neue Spiel auf dem See heuer noch 27 Mal auf dem Programm. Die knapp 200.000 Zauberflöten-Tickets sind fast ausverkauft, auch Restkarten dürften bald Mangelware sein. Am Freitag gibt es die neue Bregenzer „Zauberflöte“ im Fernsehen (ORF 2). Der Publikumsmagnet wird im Sommer 2014 wiederholt. Mit der „Zauberflöte“ vor fast drei Jahrzehnten (1985/86) hatten Intendant Alfred Wopmann und Regisseur Jerome Savary die erfolgreiche Ära der „Bregenzer Dramaturgie“ eingeleitet. (APA)


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