Mit 70 Kilo auf die Seegrube

Die Nordkettenbahnen feiern das 85-jährige Bestehen. Der erste Boom fiel in die Kriegsjahre von 1939 bis 1945, erinnert sich Archivar Roland Kubanda.

Von Sabine Strobl

Innsbruck –In einer Rekordzeit von etwa einem Jahr bauten 300 Arbeiter die ersten Gondelbahnen von der Hungerburg auf die Seegrube und weiter auf das Hafelekar. „Die Pinzgauer Träger waren Kraftlaggeln. Sie haben berufsmäßig Akkordarbeit geleistet“, erzählt Roland Kubanda vom Innsbrucker Stadtarchiv. „Innerhalb von 13 Monaten war die Bahn in Betrieb.“ Die Träger schleppten zweimal täglich eine Last von 70 Kilo auf die Seegrube. Nicht nur heute baut man in den Bergen schnell. Der Innsbrucker Architekt Franz Baumann entwarf damals die Tal-, Mittel- und Bergstationen. Der Neubau der Bahn 2006 wurde in sieben Monaten umgesetzt. Die Stationen und Zubauten tragen die Handschrift von Zaha Hadid.

Wie die Benützungsstatistik zeigt, war die Bahn bald ausgelastet. Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein erster Höhepunkt verzeichnet. Nazis nutzten die Bahn für einen Ausflug. „Die Nazibonzen wurden eingeladen“, sagt Kubanda. 1939 waren 300.000 Gäste aus dem Ausland gemeldet. 381.000 Personen wurden mit der Bahn befördert. 1943 beförderte die Bahn 721.000 Personen. Das Maximum wurde 1963 erreicht, damals fuhren 1,1 Millionen Menschen mit der Nordkettenbahn. Danach ist die Zahl langsam gesunken. Vor dem Umbau waren es noch 400.000 Fahrgäste, 2012 wieder 450.000. Einst war die Gondel olivgrün, heute zeigt sie Glas. Wie Kubanda eingesteht, ist auch er schon den wechselnden Farben der Gondeln nachgegangen. Grund fand er aber keinen, warum auf der Nordkette Grün und am Patscherkofel Rot verwendet wurde.


Kommentieren


Schlagworte