Sommer steigert die Risikobereitschaft

Hitze, Freizeitstress und Urlaubsfreuden rauben den Lenkern die Konzentration und machen das vermeintlich so sichere Schönwetter zur unfallträchtigsten Witterung.

Von Reinhard Fellner

Fahrten bei sommerlichen Straßen- und Witterungsbedingungen werden für gewöhnlich als ungefährlicher eingeschätzt, als solche bei Wind und Wetter. Eine subjektive Fehleinschätzung, mit der die ÖAMTC-Unfallforschung nun aufräumt.

„Hier handelt es sich um einen Trugschluss“, erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.

„Im Jahr 2011 ereigneten sich mehr als drei Viertel aller Unfälle bei schönem Wetter.“ In den Sommermonaten Juli und August war diese Zahl sogar nochmals erhöht: 84 Prozent der Sommerunfälle passierten laut Statistik Austria und ÖAMTC Unfallforschung bei Schönwetter.

Einerseits liegt das am Verkehrsaufkommen: Durch den Reiseverkehr ist in den Monaten Juli und August generell mehr Betrieb auf den Straßen. Andererseits neigen Menschen in den Sommermonaten dazu, sich mehr zuzutrauen und größere Risiken einzugehen: „Im Sommer, wenn das Temperaturhoch auch die Gemütslage in ein Hoch versetzt, werden manche übermütig.“

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Für viele Lenker wirkt die Straße im Sommer harmlos: Sonne, gute Sicht und trockener Asphalt sind keine „gelernten Alarmzeichen“. „Alles wirkt leicht beherrschbar. Das macht einen anfällig für Ablenkungen von der eigentlichen Tätigkeit, dem Fahren“, so die Verkehrspsychologin.

Wenn es heiß ist, haben es die Menschen auf der Straße eilig – man macht in der Arbeit früher Schluss, um schneller nach Hause in den Garten oder an den kühlen See flüchten zu können.

Aber auch die Urlaubsvorfreude lässt einen oft riskanter unterwegs sein: „Man will noch schnell ein paar Dinge erledigen und schweift mit den Gedanken schon in die Ferne. In der Eile neigt man zu riskanten Überholmanövern und dichtem Auffahren“, sagt die ÖAMTC-Expertin.

Im Juli und August 2011 ereigneten sich 7240 Unfälle mit Personenschaden, davon 6101 bei schönem Wetter. Dabei wurden 7790 Personen verletzt, 89 Menschen verloren ihr Leben.

Nachlässigkeit führt bei Hitze auch immer wieder zu Reifenplatzern. Laut ÖAMTC passieren diese zu 80 Prozent, da zuvor der Luftdruck nicht gestimmt hatte. Auch Beulen am Reifen oder Unwucht sollte man vor Reiseantritt keinesfalls übersehen.

Platzt einer der Reifen bei der Fahrt doch, gilt folgende Regel: Lenkrad festhalten, nicht überreagieren und gefühlvoll abbremsen.


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