Auf den Spuren des Vaters

Götz George wird am Dienstag 75 Jahre alt. In „George“ spielt er seinen Vater Heinrich, der mit den Nazis kollaborierte.

Berlin –Es ist Götz Georges persönlichster, wohl aber auch sein schwierigster Film. Ein Herzensprojekt ist es allemal: In dem Doku-Drama „George“ spielt der „Schimanski“-Star seinen Vater: den berühmten Schauspieler Heinrich, der wegen seiner Karriere in der Hitler-Zeit bis heute als Mitläufer der Nazis gilt. Zahlreiche Angebote zu einem solchen Projekt hatte Götz George in der Vergangenheit ausgeschlagen. Das Konzept des Dokumentarfilmers Joachim A. Lang war für ihn dann aber so überzeugend, dass er sich auf das Abenteuer mit dem Vater einließ. „Ich habe das Beste getan, um ihm gerecht zu werden“, sagte George kürzlich bei einer Vorabpremiere in Berlin. Und tatsächlich ist es fast mehr ein Film über den Sohn als über den Vater geworden.

Götz George spielt seinen Vater, aber daneben gehört er zusammen mit seinem älteren Bruder Jan auch zu den wichtigen Zeitzeugen. Und lässt sich überraschend offen bei der persönlichen Suche nach dem abwesenden Vater zusehen. „Vielleicht hat er mir den Atem gegeben, weiterzumachen und ihm keine Schande zu bringen“, sagt er einmal.

Heinrich George, einer der größten Schauspieler des 20. Jahrhunderts, war 1946 mit 52 Jahren völlig entkräftet im sowjetischen Lager Sachsenhausen gestorben – Götz war da gerade mal acht Jahre alt. Der Film geht der umstrittenen Rolle des Vaters in der Nazizeit vor allem mithilfe eines (nachgespielten) Verhörs nach, das nach Georges Gefangenname geführt wurde. Es macht sprachlos, mit welcher Naivität der Schauspieler selbst nach dem Zusammenbruch des Regimes seine Rolle noch sieht. Der einstige Linke und KPD-Sympathisant hatte sich von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zum Intendanten des Schillertheaters küren lassen, spielte die Hauptrollen in Veit Harlans antisemitischem Hetzfilm „Jud Süß“ und ließ sich bei öffentlichen Auftritten der Nazigrößen als Vorzeigeschauspieler präsentieren. Damit sei er mitverantwortlich für den NS-Völkermord an den Juden, wirft man ihm im Verhör vor. „Ich bin nur für mich selbst verantwortlich“, antwortet er. Oder: „Ach Kinder, ich wollte einfach arbeiten, so einfach ist das.“ Bei einem Fest im Schillertheater, als in der Nähe schon die Synagoge brennt, nennt er Hitler einen „kleinen Schwadronierer“ und den Antisemitismus „Pipifax“, der bald vorbei sei.

„Unsere Vereinbarung war von Anfang an, dass die Biografie nicht geschönt wird“, sagt Regisseur Lang in seinem Begleittext. Er hat jahrelang recherchiert und bisher unbekannte Quellen aufgetan. Sogar die persönlichen Briefe der Mutter stellten die George-Brüder zur Verfügung.

Dennoch kommt die eigentliche Schlüsselfrage nach Schuld und Verantwortung in den materialreichen 114 Minuten seltsam kurz. Vor allem die Söhne sind bemüht, Erklärungen für das immer noch Unverständliche zu finden. „Vielleicht wollte er uns schützen, vielleicht wollte er seinen Job retten“, sagt Jan. Und Götz zieht den Schluss: „Er wurde benutzt, und er ließ sich benutzen.“ (dpa)


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