Acht Sprossen auf der Klassenleiter

Fahrbericht: Skoda Octavia Limousine 1,4 TSI

Von Lukas Letzner

Innsbruck –Unglaubliche 17 Jahre liegt die Markteinführung des Skoda Octavia nun schon zurück. Immerhin ist er auch das erste Fahrzeug, das nach der Übernahme von Skoda durch die Volkswagen Gruppe entwickelt wurde. Zwar avancierte der Octavia im Gegensatz zu seinem Konzernbruder VW Golf nie zu einem echten Kultauto, dennoch wurde er zu einem wahren Dauerbrenner, und das nicht nur bei uns. Dass man diesen Status nur dann erreichen kann, wenn man seine Qualitäten immer wieder unter Beweis stellt, liegt auf der Hand. Um genau das zu tun, ist der Skoda Octavia bei uns als Limousine angetreten.

Eines sieht man auf den ersten Blick: Der kompakte Tscheche ist gar nicht mehr so kompakt wie seine Vorgänger. Mit seinen 4,66 Metern ist er immerhin 90 mm länger. Gleichzeitig wurde er um 45 mm breiter. In Kombination mit den deutlich kürzeren Überhängen (der Radstand wuchs um 108 mm) verleiht das dem Octavia einen souveränen Auftritt. Zudem haben sich die Designarbeiten am Blech gelohnt. Vor allem die geschärften Kanten der Motorabdeckung schenken dem Octavia die notwendige Eleganz, ohne der dynamischen Note zu schaden. Scheinwerfer in Klarglas-Optik, LED-Tagfahrleuchten und der überarbeitete Kühlergrill Runden diesen Eindruck ab.

Nach dem optischen Urteil klettern wir hinein in die gute Stube und unterziehen das Cockpit einem Material-Check. Dank der bequemen Sitze fühlt man sich hinter dem Steuer des Octavia auf Anhieb wohl. Nur der sportliche, ambitionierte Fahrer wird sich von den Pölstern etwas mehr Seitenhalt wünschen. Das Armaturenbrett ist skodatypisch aufgeräumt und funktionell. Bei den verarbeiteten Materialen merkt man gleich, dass der Octavia den Aufwärtstrend seiner Vorgänger fortsetzt. Zwar sind sie zum Teil einfacher als bei VW, die Verarbeitung ist aber dennoch auf hohem Niveau.

Ein echter Hit ist das neue Infotainment-System. Dank des Acht-Zoll-Touchscreens fällt die Bedienung kinderleicht. Die seitlich angeordneten Knöpfe ermöglichen den schnellen Zugriff auf die Untermenüs.

Überrascht sind wir von dem äußerst üppigen Platzangebot im Octavia. Zu verdanken hat er das nicht zuletzt den vorhin erwähnten Außenmaßen. Das Resultat: 30 mm mehr Platz auf den hinteren Reihen. So halten es dort großgewachsene Passagiere auch länger als 30 Minuten aus. Wer bisher nur aus Platzgründen zu der Kombi-Variante gegriffen hat, braucht das jetzt nicht mehr zu tun. Der Kofferraum schluckt schon bei der Limousine unglaubliche 590 Liter. Wem das noch nicht genug ist, der kann die Rückbank umlegen (per Knopfdruck aus dem Kofferraum) und so das Ladevolumen auf 1580 Liter ausbauen. Der Einkauf bei einem schwedischen Möbelhaus wird dank umklappbarem Beifahrersitz auch einfacher. Unter der Haube unseres Octavia arbeitete ein 1,4-Liter-Turbobenziner. Das Aggregat wuchtet maximal 140 PS an die Vorderräder und erwies sich als äußerst souverän. Mit seinem maximalen Drehmoment von 250 Nm, welches übrigens schon knapp über der Leerlaufdrehzahl anliegt, geht dem Octavia auch bei Überholmanövern nicht gleich die Luft aus, zumal der Motor lediglich 1300 kg in Bewegung setzen muss. Das Fahrwerk ist ganz auf Komfort getrimmt und so werden harte Querfugen ebenso gekonnt geschluckt wie lange Bodenwellen. Wer es gerne eine Spur härter hätte, kann das adaptive Fahrwerk in drei Stufen verstellen (zumindest gegen Aufpreis). So werden auch sportlicher gefahrene Kurven zum Genuss. Lediglich von der Lenkung hätten wir uns manchmal etwas mehr Rückmeldung gewünscht.

Wer sich mit der Brot-und-Wasser-Version des Octavia begnügen kann, bekommt ihn schon um 17.980 Euro. Für unseren 1,4-Liter-Benziner mit der Elegance-Ausstattung muss der Interessent dann mindestens 28.920 Euro auf den Tisch legen. Dafür bekommt man richtig viel Auto.


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