Sein und Haben im Bling-Bling-Universum

Der Großmogul des Rap, Jay-Z, spuckt auf seinem neuen Album „Magna Carta Holy Grail“ große Töne. Was zu erwarten war.

Von Sabine Theiner

Innsbruck –Dieser Mann ist ganz weit weg. Shawn Carter, also Jay-Z, lebt Lichtjahre entfernt von Otto Normalverbraucher in einem luxuriösen Paralleluniversum, im Establishement des US-Rap-Biz. Mit Ehefrau und Super(star)-weib Beyoncé, Töchterchen Blue Ivy, dessen Namen die Eltern beflissentlich schützen ließen, Designerklamotten von Tom Ford & Co und einem Maybach. Er spricht in seinen Texten von der Tate Modern, dem Louvre, Pablo Picasso und Jeff Koons (nur damit klar ist, dass der Mann auch gebildet ist). Keine Frage, auf „Magna Carta Holy Grail“ befindet man sich auf der Überholspur.

Mitmachen darf bei dieser Parade, wer auf ähnlichem Superstar-Level zugange ist, zum Beispiel seine Frau Beyoncé („Part II (On The Run)“) oder Justin Timberlake („Holy Grail“). Auch mit Neo-Superstar Frank Ocean rappt Jay-Z die Nummer „Oceans“ und das Produzententeam besteht aus Pharrell Williams und Timbaland. Die beiden haben das Album fein säuberlich abgemischt und auf Hochglanz poliert. Jay-Z ist natürlich in den Gesangestechniken des Rap, dem Flow, sattelfest, und lässt seine Texte entsprechend vom Stapel. Das alles wirkt kein bisschen angestrengt, sondern locker-flockig aus dem Ärmel geschüttelt. Der Rapper bedient sich bekannter Muster, zitiert den R’n’B der Neunzigerjahre und alten Soul, lässt elektronische Tanzmusik mit Ragtime zusammentreffen. Alles gut gemacht, aber nichts Außergewöhnliches tut sich in den 16 Songs auf dem 12. Studioalbum des Label-Bosses (ihm gehört die Plattenfirma Def Jam). Die kommerzielle Tendenz des Albums passt umso besser zum Geschäftssinn des Mega-Stars, sein Vermögen hat er nicht nur seinem Können, sondern auch diversen, lukrativen Deals zu verdanken. Sein neues Album durften Kunden eines großen Smartphone-Herstellers vorab kostenlos downloaden, mehrere Millionen Dollar wanderten in die Tasche des Rappers. So vergisst man leicht, dass Jay-Z von ganz unten kommt, aus den ärmsten Ghettos von Brooklyn. Zumal in seinen Songs auch nicht mehr viel übrig ist vom rauen Spirit des Hip-Hop und Rap. In seinen Tracks geht es nicht mehr um Kriminalität, Drogen, Gewalt, nicht mehr um die Bandenkämpfe junger Schwarzer in amerikanischen Großstädten. Aus diesem Themenkreis ist er sozusagen rausgewachsen. Heute beschäftigt sich Jay-Z mit anderen Formen von Sein und Haben.

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