Nachwuchspflege ab vierzig

Die Harley-Davidson-Sportster-Familie ist für den Nachwuchs gedacht. Und der beginnt bei den Amerikanern recht spät.

Von Franz Farkas

Wien –Bei Harley hat man mit Österreich große Pläne. Erstmals mit einem eigenen Importeur in Wien vertreten, will man bis 2015 etwa 1500 Bikes aus den USA an den Mann bzw. die Frau bringen. Dazu gehört aber auch die so genannte Nachwuchsarbeit, um die es allgemein in der Motorradwelt nicht gerade gut bestellt ist. Etwa Mitte 50 ist der Durchschnitts-Biker heute, bei den Fahrern von Harley noch um einiges älter. Damit aber auch in Zukunft noch Motorräder verkauft werden, hat man neue, jüngere Kunden so etwa ab vierzig Lenzen im Visier und vor allem auch die Damenwelt.

Denn auch hier haben etwa 33 % einen A-Schein, tatsächlich nutzen ihn jedoch weit weniger. Genau dafür hat man in Milwaukee schon seit den Vierzigern die Sportster-Familie mit den kleineren Motoren mit „nur“ 883 und 1200 cm³ im Programm. Sechs Modelle umfasst die Serie, die Preise liegen mit einem Einstieg bei schon knapp über zehn Tausendern wesentlich unter denen der „Großen“. Das Spitzenmodell ist die neue 1200 Custom, die es in zwei Versionen gibt. Wir fuhren die XL 1200 CB, die mit mattschwarzem Custom-Lack und ebensolchen Drahtspeichenrädern daherkommt. Als Kontrast zur niedrigen Sitzhöhe ist ein so genannter „Ape Hanger“-Lenker montiert, der die Arme weit nach oben hebt. Zusammen mit den weit nach vorne verlegten Fußrasten ist die Sitzposition etwas gewöhnungsbedürftig, doch es geht besser, als man glaubt. Gewöhnen sollte man sich auch an die geringe Schräglagenfreiheit, die Rasten kratzen schnell am Asphalt. Dafür nervt das dicke Vorderrad nicht mit dem sonst üblichen Nachlaufen jeglicher Spurrillen, das hat man sehr gut hingekriegt. Wesentlich stabiler, als es scheint, ist auch das Fahrwerk, auch bei höheren Geschwindigkeiten ist der Geradeauslauf tadellos, obwohl der Fahrer wie ein Flughörnchen im Wind hängt. Wenig Neues gibt es bei der Motorisierung.

Der Zweizylinder mit seinen vier unten liegenden Nockenwellen vibriert dank elastischer Aufhängung im Rahmen recht wenig, zumindest kriegt das die Besatzung nicht mit. Er leistet 67 PS und damit ist man eigentlich recht gut motorisiert. Auch das seit 2004 zusammen mit dem Motor überarbeitete Getriebe lässt sich mittlerweile leicht und leise schalten. Die Bremsen, immer schon ein großer Kritikpunkt bei Harley, verdienen mittlerweile ihre Bezeichnung, die Zeiten, in denen sie nur „vorhanden“ waren, sind endgültig vorbei. Wesentliche Verbesserungen gibt es bei der Verarbeitung, alles wirkt auch bei den kleinen Harleys sauber und gediegen. Für den Einstieg in die Harley-Welt ist dieses Bike jedenfalls­ goldrichtig.

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