Verzweifelte syrische Flüchtlinge verlangen Eingreifen der USA

„Wo ist die internationale Gemeinschaft? Worauf warten Sie?“, fragte eine Frau während eines Besuchs von Kerry im Flüchtlingslager Saatari in Jordanien.

Damaskus/Washington - Aufgebrachte syrische Flüchtlinge haben US-Außenminister John Kerry am Donnerstag aufgefordert, in Syrien eine Flugverbotszone und Schutzgebiete einzurichten. „Wo ist die internationale Gemeinschaft? Worauf warten Sie?“, fragte eine Frau während eines Besuchs von Kerry im Flüchtlingslager Saatari in Jordanien, in dem 115.000 Syrer Zuflucht vor dem Bürgerkrieg gesucht haben. Sie machte ihrem Frust Luft: „Wenn sich bis zum Ende des Ramadan nichts ändert, wird sich dieses Lager leeren - wir werden nach Syrien zurückkehren und dort mit Messern kämpfen.“

Kerry unterhielt sich in einer abgetrennten Verwaltungszone des Camps rund 40 Minuten lang mit einer Handvoll Syrern, betrat aber nicht den eigentlichen Wohnbereich des mit Abstand größten Flüchtlingslagers in Jordanien. „Sie sind frustriert und wütend auf die Welt, weil sie nicht eingreift und hilft“, sagte Kerry nach seinen Gesprächen. Er habe den Flüchtlingen erklärt, dass die Lage nicht ganz so einfach sei. „Aber wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich auch Hilfe suchen, wo immer ich sie bekommen könnte“, fügte der Außenminister hinzu.

Die USA würden momentan über verschiedene Handlungsoptionen nachdenken, auch über Pufferzonen. Das Land habe jedoch in den vergangenen zwölf Jahren bereits zwei Kriege bestritten, erklärte Kerry mit Verweis auf die Konflikte im Irak und Afghanistan. Die USA täten aber alles, um die Syrern dabei zu unterstützen, dass sie für Syrien kämpfen könnten.

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien hat nach Angaben der Vereinten Nationen einen Umfang angenommen, der zuletzt beim Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren erreicht worden war. Momentan verlassen danach im Schnitt täglich 6000 Menschen wegen des Bürgerkriegs das arabische Land. In den umliegenden Staaten wie der Türkei oder dem Libanon seien insgesamt fast 1,8 Millionen Flüchtlinge registriert. Bei dem seit mehr als zwei Jahren anhaltenden Kämpfen sind Schätzungen zufolge mehr als 90.000 Menschen getötet worden. Der Sicherheitsrat ist in der Syrien-Frage gespalten und damit faktisch handlungsunfähig. (APA/Reuters)

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