Ladenhüter Surface-Tablet verhagelt Microsoft die Bilanz

Der Trend zu Tablet-Computern macht Microsoft schwer zu schaffen. Da sich herkömmliche Computer nur noch schwer verkaufen, verzeichnete auch das Microsoft-Betriebssystem Windows im vierten Quartal Einbußen.

Seattle - Nun leidet auch Microsoft unter den rückläufigen PC-Verkäufen. Überdies macht der eigene Tablet-Computer Surface RT dem Konzern zu schaffen. Das Gerät hat einen schweren Stand gegen Apples iPad und die oft billigeren Android-Tablets. Microsoft legte in der Folge am Donnerstag Geschäftszahlen vor, die hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieben. Nachbörslich fiel die Aktie um mehr als 6 Prozent.

Bisher hatte Microsoft die Probleme auf dem Computermarkt ohne größere Blessuren überstanden. Die neue Finanzchefin Amy Hood räumte nun aber ein, dass Microsoft von den schrumpfenden PC-Verkäufen getroffen worden sei. Denn Laptops und Tischrechner werden zumeist zusammen mit einem Windows-Betriebssystem ausgeliefert. Gleichzeitig gebe es aber eine „weiterhin starke Nachfrage nach Angeboten für Firmenkunden und die Cloud“, führte Hood aus.

Gewinn halbiert

Dadurch konnte Microsoft in seinem vierten Geschäftsquartal (April bis Juni) seinen Umsatz noch um 10 Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar steigern (15,2 Mrd Euro). Unterm Strich stand ein Gewinn von annähernd 5,0 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte Microsoft wegen einer hohen Abschreibung auf die zugekaufte Online-Werbefirma Aquantive einen Verlust von annähernd einer halben Milliarde Dollar ausgewiesen.

Der US-Konzern verdiente 59 Cent je Aktie. Der Markt hatte Microsoft im Durchschnitt allerdings 75 Cent je Anteilsschein zugetraut. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sah es zwar deutlich besser aus. Doch der damalige Verlust von sechs Cent ging vor allem auf Abschreibungen für eine gescheiterte Übernahme zurück.

Beim tieferen Blick in die Zahlen zeigte sich, wo die Probleme liegen: Der Gewinn der Windows-Sparte halbierte sich auf knapp 1,1 Milliarden Dollar. Microsoft schrieb alleine 900 Millionen Dollar auf seine Surface RT ab, die noch auf Lager liegen. Der Konzern hatte den Preis des Windows-Tablets jüngst deutlich gesenkt. Als gute Gewinnbringer erwiesen sich einmal mehr die Office-Büroprogramme sowie die Server-Software. Der Verlust in der Xbox-Spielesparte ging zurück.

Die Marktforschungsfirmen Gartner und IDC hatte ausgerechnet, dass die Auslieferungen von PC im vergangenen Quartal um etwa 11 Prozent gefallen waren. Damit schrumpfte der Markt fünf Quartale in Folge - die längste Schwächeperiode bisher.

„Müssen besser werden“

„Wir wissen, dass wir besser werden müssen“, sagte die neue Finanzchefin Amy Hood. Deshalb sei in der vergangenen Woche der umfangreiche Konzernumbau angekündigt worden. Produkte und Dienstleistungen sollen künftig im Mittelpunkt stehen, Programme schneller an die Kunden gebracht werden.

Bei dem neuen Betriebssystem Windows 8 macht der Konzern bereits eine Rolle rückwärts. Zwar wurden seit der Markteinführung im Oktober 100 Millionen Lizenzen verkauft. Das im Vergleich zum Vorgänger Windows 7 visuell aber völlig überarbeitete System irritierte die Nutzer und konnte sie nicht begeistern

Hoffnungen liegen auf Einführung von Windows 8.1

Die Hoffnung von Firmenchef Steve Ballmer liegt nun auf der Einführung des neuen Windows 8.1, dessen finale Version im August erscheinen soll. Mit Windows 8.1 kehrt auch der von vielen Nutzern schmerzlich vermisste Start-Button zurück.

Ballmer hatte erst jüngst einen großen Umbau des Managements angekündigt, um Microsoft für die neue Computerwelt zu machen. Beispielsweise werden künftig alle Betriebssysteme unter einem Dach entworfen; das gleiche gilt für die Entwicklung aller Hardware. Ballmer will weg vom Image Microsofts als vornehmlichem Software-Konzern. Stattdessen legt er den Fokus auf Geräte und Services. (dpa/APA/Reuters)


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