Karl stürzt im Vertrauensindex ab

Der Typus des Stammwählers wird immer mehr zum Auslaufmodell.

Wien –Der „Paradies-Sager“ zeigte Wirkung. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) ist die größte Verliererin im aktuellen Vertrauensindex. Im Lichte ihres Agierens bei den Missbrauchsfällen im Jugendstrafvollzug stürzt sie gegenüber der Erhebung im Juni um zwölf Prozentpunkte auf einen Saldo von minus 14 ab. Damit musste sie unter allen Regierungsmitgliedern gegenüber der vorangegangenen Erhebung am meisten Federn lassen.

An der Spitze des Vertrauens rangiert erneut Bundespräsident Heinz Fischer mit 53 Punkten (plus acht, der Bestwert auch bei der Veränderung), dahinter folgt Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ) mit 23 Punkten (+5). Dieses Duo führt seit Jahren unangefochten den Vertrauensindex von APA/OGM an. Auf den vorderen Rängen finden sich erneut Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) und Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ).

Verschlechtert hat sich erneut Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP). Er hat sich seit der Bienendebatte nicht mehr erholen können und bildet das Schlusslicht des rot-schwarzen Kabinetts.

Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger kann sich hingegen erneut vor Kanzler Werner Faymann (SPÖ) behaupten. Doch beide verlieren an Vertrauen, Spindelegger sogar stärker. Bei den Oppositionspolitikern kann sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig behaupten, die ihren Vertrauenswert leicht ausbauen konnte.

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Knapp zweieinhalb Monate vor der Nationalratswahl müssen vor allem die Volksparteien ÖVP und SPÖ zur Kenntnis nehmen, dass der Stammwähler zum Auslaufmodell gehört. Laut einer aktuellen IMAS-Umfrage machen nur noch 36 Prozent der Wähler ihr Kreuzerl immer bei derselben Partei. Wenn es noch Stammwähler gibt, dann vor allem bei den Älteren. Bei den Unter-30-Jährigen beträgt der Stammwähleranteil nur noch 16 Prozent.

22 Prozent der Befragten haben grundsätzlich keine Bindung zu einer Partei und entscheiden jedes Mal neu, wem sie ihre Stimme geben. 19 Prozent stufen sich selbst als gelegentliche Wechsler ein. 23 Prozent machten zu ihrem Wahlverhalten keine Angaben.

Der klassische Wechselwähler ist laut der Umfrage jung und urban, der Stammwähler ist älter und eher im ländlichen Raum zu Hause. Frauen sind etwas „treuer“ als Männer. Die meisten Wechsler gibt es übrigens bei Bundes- (13 Prozent), die wenigsten bei Landeswahlen (sechs Prozent).

Von der seit 2007 möglichen Briefwahl haben erst 16 Prozent der Befragten Gebrauch gemacht. Für 32 Prozent kommt diese Variante nicht infrage. (misp)


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