Europäischer PC-Markt bricht ein und bringt Hersteller in Bedrängnis

In Europa werden immer weniger PCs verkauft. Die Auswirkungen spüren große IT-Unternehmen bereits deutlich. Steve Jobs proklamierte Post-PC-Ära rückt näher.

London – Der weiter sinkende PC-Markt steht vor allem in Europa stark unter Druck. Um ganze 21,1 Prozent sackte der Markt im zweiten Quartal in Westeuropa ab, wie aktuellen Zahlen des Marktforschers IDC zeigen. Alleine auf dem wichtigen deutschen Markt ging der Absatz von Desktop-Rechnern und Laptops um 18,7 Prozent zurück. Infolge der schwierigen Wirtschaftslage sei aber der Markt in Südeuropa von der Talfahrt am stärksten betroffen. In Spanien etwa fiel der Absatz um satte 43,7 Prozent.

Weltweit hatten die Marktforschungsfirmen IDC und Gartner vergangene Woche einen Rückgang von 11 Prozent errechnet. Händler hätten zunächst ihre Bestände abverkauft. Auch im Juni, in dem traditionell viele Kunden für den anstehenden Schulanfang neue Hardware kaufen, habe es keine Erholung gegeben, erklärte Chrystelle Labesque von IDC.

Touch-Notebooks noch zu teuer

Neue Formfaktoren bei mobilen Computern, die Entwicklung Sozialer Netzwerke und der Internet-Infrastruktur habe das Nutzungsverhalten deutlich verändert, erklärte Analyst Maciej Gornicki. Nutzer setzten eher auf mobile Geräte, mit denen sie immer im Internet unterwegs sein könnten.

Auch wenn Hybrid-Geräte und ultradünne Notebooks mit Touch-Bildschirmen das Interesse der Kunden weckten, sei der Verkauf schwach gewesen. Vielen Verbrauchern seien die Geräte noch zu teuer. Auch Unternehmen zögerten ihre Entscheidung vielfach hinaus.

Insgesamt seien im zweiten Quartal in der Region EMEA (Europa, dem Nahen Osten und Afrika) 19,6 Millionen PCs verkauft worden – ein Rückgang um 22,3 Prozent. 12,4 Millionen Stück davon waren tragbare Computer – satte 26 Prozent weniger. Der Absatz stationärer PCs ging um 14,6 Prozent auf 7,2 Millionen Stück zurück.

Zahlen des IDC zeigen, dass der PC-Markt von 2010 auf 2012 von 23 Prozent auf 12 Prozent fiel, der Laptop-Marktanteil nur noch 17 Prozent (nach 29 Prozent 2010) betrug. Gleichzeitig wuchs der Anteil von Smartphones von 45 Prozent auf 60 Prozent und jener von Tablets von 3 auf 11 Prozent. Steve Jobs Prophezeiung der „Post-PC-Ära“ scheint immer mehr in Erfüllung zu gehen.

Hersteller in Schwierigkeiten

Der weltweite Rückgang in der Computer-Industrie trifft Hersteller wie Microsoft inzwischen mit voller Wucht. Der Absatz des bisherigen Geldbringers Windows schwächelte, die Geschäftszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. Intel, der weltgrößte Hersteller von Computerchips, leidet ebenfalls unter dem Wandel hin zu Tablets und Smartphones. Das Unternehmen musste am Donnerstag die Erwartungen für das Gesamtjahr zurückschrauben.

Weltweit rangiert Lenovo beim Marktanteil inzwischen an erster Stelle vor dem langjährigen Marktführer Hewlett-Packard. In der EMEA-Region liegt der chinesische Hersteller jedoch mit 13,4 Prozent Marktanteil noch deutlich hinter HP (19 Prozent Marktanteil), holte aber mit kräftigen Schritten auf. Acer verlor mit 42,2 Prozent mit Abstand am Deutlichsten an Marktanteil. Dennoch rangiert Acer mit 11,5 Prozent noch knapp vor Dell (10,7 Prozent) und Asus (8,6 Prozent Marktanteil). (tt.com, dpa)


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