Vergewaltigung angezeigt: Norwegerin in Dubai verurteilt

Die Richter in Dubai glaubten der jungen Frau nicht: Stattdessen wurde sie wegen Sex außerhalb der Ehe, Alkoholkonsum und falscher Angaben verurteilt.

Dubai/Oslo - Eine Norwegerin ist in Dubai zu einer Haftstrafe verurteilt worden, nachdem sie ihre eigene Vergewaltigung angezeigt hatte. Ein Gericht habe die 24-Jährige zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt, berichtete die norwegische Nachrichtenagentur NTB. Oslo kritisiert die Haftstrafe.

Weder Polizisten noch Richter hätten der jungen Frau geglaubt, dass sie vergewaltigt worden sei. Stattdessen wurde sie wegen Sex außerhalb der Ehe, Alkoholkonsum und wegen falscher Angaben verurteilt. Gegen die Entscheidung sei Berufung eingelegt worden. Bis zum Beginn des Verfahrens im September sitze die Norwegerin nun aber ohne Pass in den Vereinigten Arabischen Emiraten fest.

Zuflucht hat sie vorerst in einer norwegischen Kirche in Dubai gefunden, von wo aus sie um finanzielle Hilfe bat, weil die Anwaltskosten ihre Ersparnisse aufgezehrt hätten.

Oslo kritisiert Haftstrafe

Die Regierung in Oslo hat die Justiz der Vereinigten Arabischen Emirate scharf kritisiert. „Es wirkt sehr befremdlich, wenn jemand eine Anzeige wegen Vergewaltigung einreicht und dann für etwas verurteilt wird, das in unserem Teil der Welt nicht einmal strafbar ist“, sagte Außenminister Espen Barth Eide der Nachrichtenagentur NTB am Freitag. Aus seinem Ministerium hieß es, Eide habe deshalb versucht, seinen Kollegen in Dubai zu kontaktieren.

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Die Rechtsabteilung des norwegischen Außenministeriums schloss einen Abzug des eigenen Botschafters aus den Vereinigten Arabischen Emiraten trotz der Komplikationen aus. Eine solche Entscheidung würde die Situation der Frau womöglich noch verschlimmern, hieß es aus Oslo. Alles sei einfacher, wenn Norwegen seine diplomatische Vertretung in Dubai behalte.

Nach Feier vergewaltigt

Der Boulevardzeitung „Verdens Gang“ sagte die 24-Jährige, die seit 2011 in Katar gearbeitet hatte, sie sei im März nach einer Feier in der Stadt gemeinsam mit Kollegen auf dem Rückweg in ein Hotel gewesen. Sie sei angetrunken gewesen, woraufhin sie ein männlicher Kollege in sein Hotelzimmer gezerrt habe, statt sie in ihr eigenes zu bringen. Dort soll es zu der Vergewaltigung gekommen sein.

Als sie die Tat bei der Polizei angezeigt habe, habe man ihr gesagt: „Du weißt, dass dir niemand glauben wird.“ Darauf sei sie festgenommen worden. Norwegens Außenminister Espen Barth Eide sagte gegenüber NTB, es sei seltsam, dass man eine Vergewaltigung anzeige und dann für ein Verbrechen verurteilt werde, das „in unserem Teil der Welt“ gar kein Verbrechen sei. „Das geht stark gegen unseren Sinn für Gerechtigkeit.“ Die Regierung wolle sich für die 24-Jährige einsetzen. (APA/dpa)


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