Zehntausende protestierten gegen Entmachtung Mursis in Ägypten

Die größte Demonstration fand vor der Raba-al-Adawiya-Moschee im Osten Kairos statt.

Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi.
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Kairo – Ungeachtet der Warnungen des ägyptischen Militärs haben am Freitag erneut Zehntausende Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi für dessen Wiedereinsetzung demonstriert. In der Hauptstadt Kairo versammelten sie sich vor der Rabaa-al-Adawiya-Moschee und zogen anschließend zum Verteidigungsministerium und zum Sitz der Präsidentengarde, wo sie allerdings von Soldaten gestoppt wurden. Auch in anderen Städten des Landes gab es Proteste.

Sie hielten Bilder des gestürzten Politikers hoch, riefen „Mursi ist unser Präsident!“ und schrien Parolen gegen Armeekommandeur Abdel Fattah al-Sisi, der Mursi vor mehr als zwei Wochen entmachtet hatte. Bei starken Sicherheitsvorkehrungen blieben die Kundgebungen am Freitag zunächst friedlich.

Landesweite Demonstrationen

Die größte Demonstration fand vor der Raba-al-Adawiya-Moschee im Osten Kairos statt, wo die Muslimbruderschaft unmittelbar vor dem Sturz Mursis ein Protest-Camp eingerichtet hatte. Große Menschenmengen füllten auch im Westen Kairos den Platz vor der Universität. In Alexandria, der zweitgrößten Stadt des Landes, und anderen Orten strömten die Menschen ebenfalls auf die Straßen. Gegner der Islamisten versammelten sich zur gleichen Zeit in weitaus kleinerer Zahl auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo.

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine Herrschaft vom Militär gestürzt worden. Seitdem kamen bei Krawallen und Zusammenstößen mit Sicherheitskräften Dutzende Menschen ums Leben. Das Militär setzte eine zivile Übergangsregierung ein, die das Land zu Neuwahlen in sechs Monaten führen soll. Mursi wird seit dem Umsturz an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Verstärkte Militärpräsenz in Kairo

„Das Ziel der heutigen Kundgebungen ist es, den Militärputsch zu beenden und die Unterstützer des Coups zur Änderung ihres Standpunkts zu bewegen“, schrieb Essam al-Arian, ein Mitglied der Führung der Muslimbruderschaft, auf seiner Facebook-Seite. Die Gegner von Mursis Herrschaft auf dem Tahrir-Platz wollten ihre Unterstützung für den Fahrplan zu Neuwahlen ausdrücken und dessen Umsetzung einfordern. Mit dem Höhepunkt der Kundgebungen wurde erst am späteren Abend gerechnet. Im Fastenmonat Ramadan werden die meisten Ägypter erst nach dem Abendessen aktiv.

Das Militär hatte angekündigt, die Sicherheitskräfte würden jeden Versuch, bei den Protesten Gewalt anzuwenden, mit aller Härte beantworten. In Kairo zeigte die Armee stärkere Präsenz als sonst. An manchen Stellen waren Panzer zu sehen. Truppen der Bereitschaftspolizei sicherten verstärkt den Präsidentenpalast und die Zugänge zum Tahrir-Platz. Kampfflugzeuge donnerten im Tiefflug über die Stadt.

Am Vorabend hatte sich Übergangspräsident Adli Mansour zum ersten Mal seit seiner Einsetzung nach dem Umsturz direkt an die Bevölkerung gewandt. „Es gibt welche, die das Land ins Chaos stürzen wollen“, sagte er in seiner Fernsehansprache. „Einige suchen einen blutigen Pfad. Aber es gibt keinen Weg zurück. Die Schlacht um die Sicherheit werden wir bis zum Ende ausfechten.“

Großbritannien „äußerst besorgt“

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kündigte an, einen Vertreter nach Kairo zu schicken, um die Menschenrechtslage nach dem Umsturz vor Ort zu beobachten. Ihr Hochkommissariat wünsche insbesondere, detaillierte Informationen über den Status und Aufenthalt von Mursi sowie über Verhaftungen und Tötungen von Demonstranten zu erhalten, erklärte ein Sprecher Pillays in Genf. Diesbezügliche Anfragen der UN-Institution vom 10. Juli habe die Führung in Kairo bisher nicht beantwortet, fügte er hinzu.

Großbritannien äußerte sich unterdessen „sehr beunruhigt“ angesichts der Lage in Ägypten. Wegen Bedenken, es könne gegen Demonstranten eingesetzt werden, stoppte die Regierung vorerst mehrere Exportgenehmigungen für militärische Ausrüstung, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Betroffen seien unter anderem Bauteile für Militärfahrzeuge sowie Kommunikationsausrüstung. (APA/dpa/AFP)


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