Tote bei Zusammenstößen von Mursi-Anhängern und -Gegnern

In Ägypten sind bei erneuten Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi drei Menschen getötet worden.

Kairo - Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sind nach Medienberichten erneut mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Landesweit waren am Freitag Zehntausende auf die Straßen gegangen. Die tödlichen Krawalle ereigneten sich am Abend in der Stadt Mansoura im Nildelta, wie die staatliche Zeitung „Al-Ahram“ in ihrer Onlineausgabe berichtete. Bei den Opfern habe es sich um zwei Frauen und einen 13-Jährigen gehandelt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in der Nacht zum Samstag. Acht weitere Menschen wurden demzufolge verletzt, als Anhänger Mursis und Gegner des Islamisten mit Schusswaffen und Messern aufeinander losgingen.

Damit stieg die Zahl der seit Mursis Entmachtung durch das Militär am 3. Juli gewaltsam Getöteten auf etwa 100. Mehr als die Hälfte von ihnen starb am 8. Juli vor einer Kaserne, in der vermutlich Mursi gefangen war, im Kugelhagel der Armee. Zu Beginn dieser Woche waren bereits sieben Menschen bei Zusammenstößen der gegnerischen Lager umgekommen.

Gewalttätige Auseinandersetzungen

Die größten Kundgebungen gab es in der Hauptstadt Kairo. Demonstranten beider Lager harrten dort auch am frühen Samstagmorgen noch aus. Zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam es auch in Qina in Oberägypten. Dort setzte die Polizei laut „Al-Ahram“ Tränengas ein, um die verfeindeten Parteien auseinanderzuhalten.

Die Mursi-Unterstützer hielten bei ihren Kundgebungen vielfach Bilder des gestürzten Politikers in die Höhe, riefen „Mursi ist unser Präsident!“ und schrien Parolen gegen den Armeekommandanten Abdel Fattah al-Sisi, der den Islamisten vor mehr als zwei Wochen entmachtet hatte.

Militär will mit aller Härte auf Gewalt antworten

Die größte Demonstration fand vor der Rabaa-al-Adawiya-Moschee im Osten Kairos statt, wo die Muslimbruderschaft unmittelbar vor dem Sturz Mursis ein Protest-Camp eingerichtet hatte. Große Menschenmengen füllten auch im Westen Kairos den Platz vor der Universität. Gegner der Islamisten versammelten sich zur gleichen Zeit in weitaus kleinerer Zahl auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo.

Das Militär hatte angekündigt, die Sicherheitskräfte würden jeden Versuch, bei den Protesten Gewalt anzuwenden, mit aller Härte beantworten. In Kairo zeigte die Armee stärkere Präsenz als sonst. An manchen Stellen waren Panzer zu sehen. Truppen der Bereitschaftspolizei sicherten verstärkt den Präsidentenpalast und die Zugänge zum Tahrir-Platz. Kampfflugzeuge donnerten im Tiefflug über die Stadt.

Mursi war am 3. Juli nach Massenprotesten gegen seine Herrschaft vom Militär gestürzt worden. Seitdem kamen bei Krawallen und Zusammenstößen mit Sicherheitskräften Dutzende Menschen ums Leben. Das Militär setzte eine zivile Übergangsregierung ein, die das Land zu Neuwahlen in sechs Monaten führen soll. Mursi wird seit dem Umsturz an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten. (APA/dpa/AFP/Reuters)


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