Testbohrungen in St. Gallen lösten Erdbeben in der Schweiz aus

Grund für das Beben der Stärke 3,6, das viele Menschen aus dem Schlaf riss, waren offenbar Testbohrungen für ein Geothermieprojekt. Der Vorfall ist laut den Behörden „problematisch“, die Arbeiten wurden unterbrochen.

St. Gallen - Nach einem Erdbeben und mehreren kleineren Erdstößen unweit des Bodensees haben Schweizer Behörden am Samstag eine Geothermie-Bohrung gestoppt. Das Beben der Stärke 3,6 unweit von St. Gallen sei auf ein Geothermie-Projekt nahe der Ortschaft Sittertobel zurückzuführen, teilte der Schweizerische Erdbebendienst (SED) mit. Es war vom Bodensee bis ins Appenzellerland deutlich zu spüren.

Sichtbare Schäden wurden durch das Beben sowie mehr als ein Dutzend kleinerer Erdstöße am frühen Samstagmorgen nicht verursacht. Das Bohrloch sollte noch im Laufe des Tages stabilisiert werden.

Laut Stadtpräsident Thomas Scheitlin wurden die Behörden vom Erdbeben überrascht. Man habe die Lage aber im Griff. Um das weitere Vorgehen zu bestimmen, wurde ein Krisenstab eingesetzt. Dieser will in den nächsten Tagen entscheiden, ob und wie es mit dem Erdwärme-Projekt weitergehen kann.

Wie die Schweizer Nachrichtenagentur SDA unter Berufung auf einen der verantwortlichen Ingenieure berichtete, war am Freitag während der Vorbereitungen für Tests in mehr als 4000 Metern Tiefe überraschend Gas mit hohem Druck in das Bohrloch gelangt. Als Gegenmaßnahme seien Wasser und eine schwere Bohrspülung in das Loch gepumpt worden, was die Erdstöße ausgelöst haben könnte.

In den letzten Tagen habe es bereits mehrere Mikrobeben gegeben, erklärte Stefan Wiemer, Direktor des SED, gegenüber der Basler Zeitung. Die Beben in der Nacht auf heute hätten in Stärke und Anzahl deutlich zugenommen. Ein derartig großes Beben wie das Registrierte habe man allerdings nicht erwartet. Erschütterungen diesen Ausmaßes seien ohne Zweifel problematisch, „man muss eventuell das ganze Projekt überdenken“.

Laut dem Österreichischen Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurde das Beben möglicherweise auch hierzulande verspürt. Schäden an Gebäuden seien bei dieser Stärke nicht zu erwarten. (TT.com, APA, sda, dpa)


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