Tauschbörsen blühen in der Krise

Was als „Kartoffelbewegung“ begann, weitet sich immer mehr aus. Leidgeplagte Griechen versuchen, sich mit Tauschmärkten und Parallel-Währungen in der anhaltenden Krise durchzuschlagen.

Athen –Die von Sparzwängen gebeutelten Griechen trotzen der Krise. Sie organisieren sich in griechischen Versionen von „Trueque“, den in Zeiten des Staatsbankrotts entstandenen Tauschbörsen Argentiniens. Diese „Solidaritätsnetzwerke der Bürger“ versuchen, entweder durch virtuelle Währungen oder den Tausch von Produkten und Dienstleistungen, aus der Misere zu finden.

Ein bekanntes Netzwerk ist die „Kartoffelbewegung“, wo billige Erdäpfel verkauft werden. Die „Kartoffelbewegung“ dehnte sich auch auf andere landwirtschaftliche Produkte aus wie Bohnen, Reis, Olivenöl, die günstig ohne Zwischenhändler angeboten werden.

Selbst organisierte Gruppen und Tauschnetzwerke sind in ganz Griechenland verbreitet. Die Eigenwerbung klingt trotzig: „Auf Geldmangel reagieren wir mit Solidarität und Sozialmärkten, auf einen Mangel an Nahrungsmitteln mit Selbstanbau, auf Demokratiedefizit und politische Oligarchie mit direkter demokratischer Nachbarschaft.“

Namen dafür gibt es viele, der Zweck ist immer gleich: Waren und Dienstleistungen zu tauschen, um die Menschen vor Ausgaben zu bewahren, die sie sich nicht mehr leisten können. Solidarität wird in Griechenland während der Wirtschaftskrise großgeschrieben. Nicht nur in Athen, sondern auch in anderen Städten florieren die Tauschnetzwerke. Auch im Internet kann gehandelt werden.

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In der Umgebung der griechischen Stadt Volos werden zuweilen Transaktionen nicht mehr nur in Euro geleistet. Wegen der Wirtschaftskrise ist eine neue, lokale alternative Währung entstanden – der virtuelle TEM. Ein System sorgt für eine rasche Bestätigung von Transaktionen, sodass die Mitglieder des Netzwerks die Anzahl von Transaktionen erkennen können, nach Produkten suchen und ihre eigenen Dienstleistungen und Produkte registrieren. Das Solidaritätstauschnetzwerk wurde lange getestet, auch im Ausland.

Angeliki Ioanniti, Koordinatorin des Solidaritätstauschnetzwerks in Volos (Magnesia), spricht von einer großen Resonanz. Allein ihr Netzwerk habe bereits mehr als 1200 Mitglieder. Hauptsächlich wollen die Bürger Lebensmittel – gekocht oder frisch – tauschen. „Unser Markt findet zweimal pro Woche statt, wo Speisen angeboten werden.“

Die Griechen suchen jedenfalls nach Alternativen. Denn Griechenland steckt noch tiefer im Sumpf aus Rezession und Arbeitslosigkeit als befürchtet. Heuer wird ein Rückgang der Wirtschaft um bis zu 5 % befürchtet. Viele machen dafür die EU und vor allem die sparwütige deutsche Regierung verantwortlich. Am Mittwoch hatte das griechische Parlament ein neues Sparpaket der Regierung gebilligt. Darin enthalten ist auch ein Gesetz, das die Entlassung von 15.000 der 700.000 Staatsbediensteten ermöglicht. (APA)


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