Eine Frage der Unterlage

TV-Köche legen den Kochlöffel beiseite und entwerfen ihre eigenen Küchenutensilien. Jetzt bringt Foodbloggerin Alexandra Palla das „perfekte Schneidebrett“ auf den Markt.

Schneidebretter sind aus der Küche nicht mehr wegzudenken. Beim Material allerdings scheiden sich die Geister.Foto: Thinkstock
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Von Miriam Hotter

Innsbruck –Jamie Oliver hat es getan. Sarah Wiener ebenfalls. Die beiden TV-Köche haben ihr eigenes Schneidebrett für die Küche zuhaus­e entworfen. Das neueste Mitglied im Club ist die Wiener Foodbloggerin Alexandra Palla. Sie hat – so steht es zumindest auf ihrer Homepage (www.roughcutblog.com) – das perfekte Schneidebrett entworfe­n: das „Roughcutboard“.

Die 44-jährige Köchin steht „von Kindesbeinen an“ am Herd. „Im Laufe der Zeit hat sich herauskristallisiert, was ein gutes Schneidebrett haben muss“, sagt sie. Es sollte leicht zu verstauen, immer griffbereit, einfach zu reinigen und stabil sein. Um all diese Anforderungen an ihr eigenes Schneidebrett zu erfüllen, hat sie sich Mitte 2012 zusammen mit dem Designstudio Dottings „Hunderte“ von diesen Küchenutensilien angeschaut. Ein halbes Jahr später war ihr eigenes Produkt fertig. „Das Besondere daran ist die kurze Kante, die zur Topfrutsche wird. Eine Saftrinne fängt alle kostbaren Säfte – etwa von Obst oder Fleisch – auf“, erklärt Palla. Eine Stell-mich-auf-Kante soll Platz beim Verstauen sparen. Das „Roughcutboard“ wird in Österreich aus nachhaltiger Holzbewirtschaftung hergestellt.

Schneidebretter aus Plastik sind aber hygienischer als Bretter aus Holz, so die weitverbreitete Meinung. Schließlich vertragen Plastikbretter einen Geschirrspülgang bei hohen Temperaturen. Dieses Argument ist für Palla nicht stichhaltig. „Schneidebretter aus Holz kann man zwar nicht in den Geschirrspüler geben, aber es reicht, wenn man sie mit heißem Wasser und ein bisschen Spülmittel reinigt.“ Außerdem habe Holz eine selbstreinigende Wirkung, die es bei gründlicher Reinigung nicht zulasse, dass sich Keime in den Kerben des Holzes ansammeln.

Eine Studie der Biologischen Bundesanstalt des Deutschen Instituts für Lebensmitteltechnik in Braunschweig gibt ihr recht. Die Wissenschafter haben demnach herausgefunden, dass die Tannine, also Gerbsäuren, die in Holzarten wie Kiefer, Fichte und Ahorn enthalten sind, für einen gewissen Zeitraum keimabtötend wirken. Die beste Wirkung zeigte sich dabei bei Kiefernholz.

In der Restaurantküche sind Schneidebretter aus Holz allerdings nicht erlaubt. Haubenkoch Alexander Fankhause­r aus Hochfügen im Ziller­tal darf in seiner Küche nur Schneidebretter aus Kunststoff verwenden. Für ihn ist das Wichtigste beim Schneiden aber ohnehin ein scharfes Messer. „Sonst spritzen die Säfte in die Luft oder auf das Brett. Bei einer scharfen Schneide bleiben die Säfte im Geschnittenen“, erklärt er. Außerdem schnipseln die Köche in einer Großküche nicht alles auf demselben Brett. „Wir haben eigene Bretter für Fleisch und Fisch, wegen des Geruchs.“

Palla hingegen schneidet zuhause alle Lebensmittel auf einem Brett. „Egal, ob Gemüs­e, Fleisch oder Fisch. Übl­e Gerüche konnte ich nicht feststellen“, sagt sie.

Und was ist mit Verfärbungen? „Ich habe einmal für ein Video einen Granatapfel geschnitten. Die rote Farbe war nach drei Tagen nicht mehr zu sehen“, erzählt Palla. Ein Schneidebrett-Test des deutschen TV-Senders wdr zeigte hingegen ein anderes Ergebnis: Nach dem Schneiden von Roter Beete zeigten Kunststoffbretter nach 20 Spülvorgängen weniger Verfärbungen als Holzbretter.

Was die Experten in der Sendung und Palla jedoch raten, ist das regelmäßige Einreiben der Holzbretter mit Speiseöl. „Dafür eignen sich Sonnenblumenöl oder Leinöl. Dadurch beugt man Fettflecken vor und das Holz bekommt neben dem Glanz auch noch eine schützende Patina.“


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