Ein spektakulärer Abflug ins Allgäu

Eine neue Seilrutsche in Nesselwang wurde Montag eröffnet. Benutzern scheint ein kräftiger Adrenalinausstoß bei einer Fluggeschwindigkeit von über 130 km/h in 60 Metern Höhe garantiert.

© Alpspitzbahn / B. Bender

Von Helmut Mittermayr

Nesselwang –Wer aus dem touristischen Angebot herausragen will, ein Alleinstellungsmerkmal sucht, muss Gästen das Außergewöhnliche bieten. So einen Unique Selling Point hat die Alpspitzbahn in Nesselwang am Montag nun offiziell eröffnet. Außerferner werden künftig nicht nur wegen des bekannten Bades ins nahe Allgäu fahren, auch der so genannte AlpspitzKick dürfte sie anlocken. Eine spektakuläre Seilrutsche wurde der Bestimmung übergeben.

Der AlpspitzKick ist insgesamt 1204 Meter lang und führt von der Bergstation der Alpspitzbahn zur Talstation. Die Seilrutsche oder Tirolienne, wie die Schweizer den Flying Fox nennen, entspricht in etwa dem Fisser Flieger. Nur Länge, Höhe und Geschwindigkeit haben gegenüber der Oberländer Seilbrücke stark zugenommen. Die Höchstgeschwindigkeit in Fiss beträgt maximal 80 Stundenkilometer. In Nesselwang erreichen die Wagemutigen bis zu 130 km/h in ihrem Liegegurt. Auch die Flughöhe über den Bäumen von immerhin 60 Metern könnte so manchem den Atem rauben.

In dreimonatiger Bauzeit wurde der AlpspitzKick vom so genannten Takeoff Tower über die Mittelstation Transit Tower zum Arrival Tower gespannt. Die Kosten betrugen 400.000 Euro und wurden zur Gänze von der Alpspitzbahn getragen, deren Eigentümer rund 100 Gesellschafter, vorwiegend aus Nesselwang, sind. In den vergangenen Tagen wurde die Anlage ausgiebig auf Herz und Nieren getestet. Erst flogen Sandsäcke als Dummies ins Tal, dann haben sich die Ingenieure selbst auf das Flugabenteuer eingelassen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Testpiloten sind sicher gelandet und ein breites Grinsen war allen gemeinsam.

Die Bahn rechnet zum Start mit einer Frequenz von rund 200 Fliegern pro Tag. Wer zu Fuß hinaufgeht und dann hinuntersaust, muss 28 Euro für den Takeoff ausgeben. Wer hingegen mit der Bahn auf den Berg fährt, den kostet das Zu-Tal-Gleiten 34 Euro. Kinder zahlen 17 bzw. 20 Euro. Eine vierköpfige Familie muss also mit etwas mehr als 100 Euro rechnen, wenn sich die Sippe kollektiv in die Tiefe stürzt. Im Gegensatz zum Fisser Flitzer, wo vier Personen im Gestänge hängen, wird im bayerischen Nesselwang alleine geflogen. Eine vergleichbare Anlage steht im italienischen San Tomaso in den Dolomiten. Die dortige Zippline war Anstoß für das Allgäuer Projekt.


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