„Strompreis ist zu hoch“, mehr Wettbewerb bei Gas

Die Energie-Regulierungsbehörde E-Control drängt die Stromanbieter, die Preise zu senken. Ab 1. Oktober gibt es Gas-Wettbewerb in Tirol.

Von Alois Vahrner

Innsbruck –Obwohl der früher monopolistisch aufgeteilte Strommarkt in Österreich seit Jahren freigegeben ist, gibt es nur sehr wenige Kunden, die ihren Lieferanten gewechselt haben. Und das, obwohl ein Wechsel binnen drei Wochen kostenlos ist und die Formalitäten online in zehn Minuten erledigt wären, betont E-Control-Vorstand Martin Graf gegenüber der TT.

Es gebe offenbar noch immer das Vorurteil, dass neue Leitungen und Zähler nötig seien und die Versorgung unsicherer werde. Je nach Anbieter seien bei einem Wechsel Einsparungen bis zu 400 Euro im Jahr möglich, wobei die Preise in Tirol und Vorarlberg am günstigsten und im Osten am höchsten seien.

Verärgert ist man bei der E-Control über den mangelnden Wettbewerb in der Strombranche. „Und das geht vor allem zu Lasten der Haushalte“, kritisiert Graf. So sei der Börsenstrompreis seit 2008 um gleich 44 Prozent gesunken. Während die Preise für Großabnehmer ebenfalls reduziert wurden, seien die Haushaltstarife fast nirgendwo (einzig der Verbund senkte um 10 % und einige andere um deutlich weniger) gesenkt worden. „Die Preisschere geht immer weiter auf.“

Die E-Control kämpft derzeit nach einem Erfolg beim Verfassungsgericht beim Verwaltungsgerichtshof darum, genau in die Kalkulationen der Stromanbieter Einsicht zu bekommen. „Denn bisher zeigten uns die Konzerne nur die lange Nase“, so Graf.

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Der Strommarkt stehe vor riesigen Umwälzungen, etwa durch den massiven Ausbau von Ökoenergie wie Wind- und Sonnenstrom, gerade auch in Deutschland. So gebe es in Norddeutschland zu viel Windstrom, um ihn mit den derzeitigen Leitungen ins Ruhrgebiet und nach Süddeutschland zu transportieren. Dieser fließe dann über Polen, Tschechien und Österreich nach Süddeutschland. „Wir sind da in Geiselhaft“, sagt Graf. Aber auch in Österreich würden große Wind- und Solarkapazitäten aufgebaut. „Wer A zu Ökoenergie sagt, muss auch B zu stärkeren Leitungen sagen.“ Bis 2020 müssten 8,7 Mrd. Euro in bessere Netze in Österreich investiert werden, das sichere 65.000 Arbeitsplätze. Es gehe auch um eine bessere Speicherung von Strom, von Pumpspeicherkraftwerken bis hin zur Warmwasserbereitung oder Speicherung im Haushalt. Hier würden künftig auch ganz neue Anbieter wie A1 (Telekom) im Schaltungsbereich mitspielen.

Mit 1. Oktober startet in Tirol und Vorarlberg ein neues Gasmarktmodell, das erstmals zu einer echten Wahl zwischen mehreren Anbietern führen werde. Graf rechnet vor allem mit dem Antreten neuer Konkurrenten aus Deutschland und sinkenden Gaspreisen.


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