„Schmied hat das Klima mit den Lehrern vergiftet“

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) fordert den Einsatz von ehrenamtlichen Bildungsmentoren für lernschwache Kinder.

Wir beurteilen Sie den augenblicklichen Wahlkampf der ÖVP?

Kurz: Die ÖVP hatte im Medienwahlkampf noch nie eine besondere Stärke. Wichtig ist das Ergebnis am 29. September. Und da bin ich sehr optimistisch.

Hier geht es doch weniger um den Medienwahlkampf, sondern um die Themensetzung: Frauenpension, Wirtschaftsstandort und Arbeitszeit.

Kurz: In der Politik geht es viel zu oft um Taktik. Aber es wäre generell von Vorteil, wenn sich Politiker nicht permanent fragen, ob etwas gut ankommt oder nicht. Ich trete dafür ein, dass man als Politiker für das kämpfen soll, für das eintreten soll, wofür man auch aus Überzeugung steht. Nur so können wir wieder ein besseres Image bekommen. Ich für meinen Teil versuche jedenfalls, für meine Anliegen, für meine Grundwerte einzutreten, egal, ob Wahlkampf ist oder nicht.

Sie sind sowohl als Staatssekretär als auch als Obmann der Jungen VP mit Bildungsfragen konfrontiert. Wir beurteilen Sie die laufende Bildungsdebatte?

Kurz: Leider Gottes läuft vieles in der Bildungsdebatte schief. SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied hat in den vergangenen Jahren das Klima regelrecht vergiftet. Wenn man im Bildungsbereich vorwärtskommen will, dann braucht es auch eine ordentliche Wertschätzung des Lehrerberufs.

Und das hat Ihrer Meinung nach Schmied verabsäumt?

Kurz: Mit einem ständigen Hinhauen auf die Lehrer wird man die Pädagogen nicht als Partner für eine Bildungsreform gewinnen können. Das Gegenteil ist der Fall, die Motivation der Lehrer wird abnehmen. In einer Schule ist es wichtig, dass Lehrer, Eltern und Schüler an einem Strang ziehen. Und ich weiß nicht, was es bringen soll, wenn man die Lehrer schlechtmacht. Die Bildungsministerin verweist doch immer so gerne auf Skandinavien. Dort hat man es geschafft, den Lehrerberuf mit einer gesellschaftlichen Anerkennung auszustatten. Das sollte auch für Österreich ein Vorbild sein. Wir brauchen wieder ein Klima des Miteinanders. Aber auch sonst muss sich in der Schule viel ändern.

Verfolgen Sie hier eine Idee?

Kurz: Ich verfolge hier mehrere Ideen. Die Sprachförderung gehört ausgebaut, und zwar in den Kindergärten als erster Bildungseinrichtung. Wir sind Weltmeister in der Verwaltung und Umschulung von Arbeitslosen und zugleich investieren wir wenig in die Frühförderung. Deshalb bin ich für das zweite verpflichtende Kindergartenjahr für jene, die schlecht oder gar nicht Deutsch können. Wir müssen zudem den Fokus auf die Volksschulen legen. Dort kann ich mir den Einsatz von ehrenamtlichen Bildungsmentoren vorstellen. Wenn ein Kind eine Bezugsperson hat, die sich um das schulische Fortkommen kümmert, dann ist das Kind wesentlich besser in der Schule unterwegs. Und wenn dies aus welchen Gründen auch immer die Eltern, Geschwister, Großeltern nicht erfüllen können, dann sollten wir uns bemühen, ein Angebot an ehrenamtlichen Begleitern zu stellen. Man sollte das Ehrenamt im Bildungssystem integrieren. Hier sehe ich viel Potenzial. So ein Bildungsmentorenprogramm für lernschwache Kinder kostet wenig, bringt aber viel. Den Einsatz von Bildungsmentoren sollte man rasch nach den Wahlen umsetzen.

Wenn wir schon bei den Wahlen sind: Würden Sie auch bei einem Koalitionspartner FPÖ in der Regierung bleiben?

Kurz: Ich halte eine Koalition mit der FPÖ für nicht realistisch – und das ist auch gut so. Und für mich gilt, dass ich mir bei jeder neuen Regierung und bei jedem potenziellen Koalitionspartner sowieso immer die Frage stellen werde, ob ich da einen Beitrag leisten kann oder nicht.

Das Gespräch führte Michael Sprenger


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