Das lange Leiden einer Gams: Youtube-Video sorgt für Entsetzen

Auf der Videoplattform wurde ein achtminütiger Film einer Jagd in Tirol veröffentlicht. Zu sehen ist, wie ein Mann ein verwundetes Tier über das Geröll schleift, ehe es erst Minuten später getötet wird.

Innsbruck – „Barbarisch. Ich bin schockiert. Das ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft!“ So kommentiert Landesjägermeister Toni Larcher ein Video, das seit Sonntag im Internet für Entsetzen sorgt.

„Die lustige Jagd, 15. August, Scharnitzjoch Leutasch“, heißt es im Vorspann des achtminütigen Youtube-Films. Doch „lustig“ sind die Szenen nicht, die der holländische Hobbyfilmer Jos van de Sande mit seiner Videokamera festgehalten hat.

Der Film beginnt idyllisch – die Bilder zeigen zwei Gämsen in einer unberührten Gebirgslandschaft. Schnitt. Mehrere Männer stapfen bergwärts, Jäger, wie die Waffen verraten. Dann fällt ein Schuss. Die nächste Szene zeigt, wie ein Jäger über eine Geröllhalde zu einer angeschossenen Gämse aufsteigt. Das verängstigte Tier bewegt den Kopf, eine Flucht ist nicht mehr möglich. Anstatt die Gämse durch einen Fangschuss von den Qualen zu erlösen, zerrt der Mann das Wild an den Hinterläufen über Stock und Stein talwärts.

Filmer: „Keineswegs gestellt“

Erst Minuten später eilt ein zweiter Jäger seinem Kameraden zu Hilfe und tötet das Tier mit einem Messer. Zurück bleiben blutrote Steine. Gestellte Szenen? „Keineswegs“, erklärt Filmer van de Sande im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Gemeinsam mit sieben Bekannten mache ich regelmäßig Filme in den Alpen, um die schöne Natur zu dokumentieren. Was ich aber in der Leutasch gesehen habe, war einfach nur schockierend“, sagt der Holländer.

Die Jäger seien ihm zufällig über den Weg gelaufen. Warum die Gruppe nicht eingegriffen und dem hilflosen Tier geholfen habe? „Natürlich hat uns die Gams leidgetan. Aber ich glaube, dass wir mit der Veröffentlichung des Videos mehr erreichen können“, betont van de Sande.

„Watsch‘n für alle anständigen Jäger“

Auch Alpenzoo-Direktor Michael Martys zeigt sich von den Bildern geschockt: „Es tut weh, sich das anzuschauen. Das verstößt gegen jede Tierschutzregel und hat mit Jagd nichts zu tun.“ Martys hofft, dass der Jäger entsprechend bestraft wird. „Er muss die Schande spüren. Es ist unverantwortlich, so mit einem Tier umzugehen“, betont der Alpenzoo-Direktor. Die Jägerschaft müsse auf jeden Fall reagieren. „Das ist eine Watsch’n für alle anständigen Jäger. Ich hoffe, dass ein derartiges Vorgehen die Ausnahme ist.“

Landesjägermeister Larcher hat bereits Konsequenzen angekündigt: „Die Staatsanwaltschaft wird eingeschaltet, ich erstatte Anzeige wegen Tierquälerei.“ Aber auch abseits der Justiz müssen die Jäger mit Schwierigkeiten rechnen. Larcher hat bereits ein Disziplinarverfahren angekündigt: „Ein strenger Verweis inklusive Entzug der Jagdkarte ist wohl unausweichlich.“ Bei dem Jäger, der die Gams über die Felsen zerrte, handle es sich um einen Jagdgast, erklärt der zuständige Hegemeister Thomas Rauth. „Wie er mit dem Tier umgegangen ist, ist eine Katastrophe.“ Die Identität des zweiten Jägers ist ebenfalls geklärt. „Auf dem Video ist außerdem deutlich erkennbar, dass auch der Jagdpächter Mitglied der Gruppe war.“ Erreichbar war der Pächter zunächst nicht. Auch nicht für Toni Larcher. (TT)

Stellungnahme vom Tiroler Jagdverband: http://go.tt.com/12GNCr5


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