Österreichs Landwirtschaft im Vergleich besonders nachhaltig

Der niederösterreichische ÖVP-Agrarlandesrat Stephan Pernkopf spricht von einer internationalen Topposition, die die heimische Landwirtschaft im internationalen Vergleich einnehme - unter anderem dank der „besonders hohen Anzahl an Biobetrieben und einer großen Waldausstattung“.

Wien – Geht man nach dem neuen und ersten Nachhaltigkeitsbericht des Ökosozialen Forums für die heimische Land- und Forstwirtschaft, erstellt vom Wifo, der die österreichische Branche international vergleicht, so scheint hierzulande so gut wie alles eitel Wonne – auch dank Subventionen, vor allem in schwieriger zu bewirtschaftenden Gebieten.

Vielen Vorteilen im Sinne der Nachhaltigkeit der im Vergleich kleinstrukturierten heimischen Landwirtschaft stehe der betriebswirtschaftliche Nachteil höherer Durchschnittskosten gegenüber, sagte Wifo-Studienautor Franz Sinabell bei der Studienpräsentation am Dienstag vor Journalisten.

„Die österreichische Land- und Forstwirtschaft sind sehr nachhaltig und ökologisch. Wir haben einen steigenden Output bei steigendem Umweltwert“, so der niederösterreichische ÖVP-Agrarlandesrat Stephan Pernkopf. Er sprach von einer internationalen Topposition, die die heimische Landwirtschaft im internationalen Vergleich einnehme - unter anderem dank der „besonders hohen Anzahl an Biobetrieben und einer großen Waldausstattung“.

Verbesserungen noch in den Bereichen Ausbildung und Sicherheit möglich

Besser werden könne die heimische Landwirtschaft laut Bericht noch im Bereich Ausbildung und Sicherheit. Während nur vier Prozent der Arbeitstätigen in der Agrarwirtschaft tätig sind, gibt es dort rund ein Drittel der tödlichen Arbeitsunfälle. Auch mehr Betriebsführer könnten eine spezifische Ausbildung absolvieren.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kleinere Betriebe in ungünstigeren Lagen seien wirtschaftlich allerdings nicht nachhaltig in der Lage, Investitionen in ihren Betrieb ohne Ausgleichszahlungen zu tätigen, erklärte Sinabell. „Sie würden ohne Unterstützung zwar nicht verhungern, aber Reinvestitionen wären unmöglich“, sagte er. Berglandwirtschaft würde sich „wohl nie rechnen“, wenn man dort Betriebe wolle, dann müsse das über die Gesellschaft gesichert werden. Pernkopf betonte dazu, dass eine Förderung von 10.000 Euro Investitionen von 40.000 Euro nach sich ziehen würden, „was ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor in den ländlichen Regionen ist“.

Bei der Eigenkapitalausstattung der bäuerlichen Betriebe aber dürften Banken wohl ins Staunen geraten: Diese liegt bei 89,7 Prozent (2009).

Wie kleinstrukturiert die heimische Agrarwirtschaft ist, zeigt etwa der Vergleich der Milchviehhaltung je Betrieb: Österreich 11,3 Kühe, im EU-Schnitt 13,7, in Deutschland 46,4 und in Dänemark 133,7 Milchkühe. Beim Geflügel ist das ähnlich. Pro Betrieb gibt es in Österreich 265 Hendln, im EU-Schnitt 336, in Deutschland fast schon 7000 und in den Niederlanden gar 40.320.

Mehr Wertschätzung und „klares Bekenntnis zur Produktion in Österreich“ gewünscht

Der Politiker Pernkopf forderte drei Dinge im Sinne der Landwirtschaft. Sie müsse gesamtheitlich nachhaltig und naturverbunden werden, habe mehr Wertschätzung von der Gesamtbevölkerung verdient und es müsse „ein klares Bekenntnis aller zur Produktion in Österreich geben“. Denn die österreichischen Produkte stünden im Gegensatz zu manchen importierten für Qualität: „Schlechte Standards sollten nicht importiert werden“, sagte der Politiker, der die „ökologische Produktion intensivieren“ will und den Bericht als „Impuls in der EU“ nutzen will, etwa um gegen Importe aus China aufzutreten. Aber auch bei der Diskussion um die Verteilung der künftigen EU-Gelder aus der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Österreich könne der Nachhaltigkeitsbericht dienlich sein.

Da drängte sich die Frage an Pernkopf auf, ob er diesen neuen Nachhaltigkeitsbericht womöglich als kommender Landwirtschaftsminister nutzen wolle um unter anderem in Brüssel damit zu argumentieren, wie er sagte - medial wurde der ÖVP-Landesrat in Niederösterreich schließlich bereits als potenzieller nächster Kandidat für den Posten gehandelt. „Ich beteilige mich nicht an Spekulationen“, sagte Pernkopf dazu knapp. (APA)


Kommentieren


Schlagworte