Einigung zwischen Südtirol und Regierung Letta über Ortsnamen

135 Flurnamen auf Wegschildern bleiben einsprachig. In Fällen, in denen die italienische Bezeichnung jedoch weite Verbreitung findet, soll die Beschilderung zweisprachig erfolgen. Noch immer sind 32 Flurnamen umstritten. 16 Flurnamen sind noch zu verhandeln, bei den anderen 16 sollten sie zweisprachig werden.

Das Landhaus in Bozen.
© TT/Robert Parigger

Bozen, Rom - 135 Ortsnamen auf Wegschildern in Südtirol bleiben einsprachig. Insgesamt 750 Bezeichnungen werden zweisprachig: Das vereinbarte eine Delegation der Südtiroler Volkspartei (SVP) mit dem italienischen Regionenminister Graziano Delrio. Rom verzichtet darauf, dass Almen oder Bergspitzen, die einen Gemeindenamen in sich tragen, übersetzt werden müssen, berichtete die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“.

„Die Einigung über die Ortsnamen ist ein wichtiges Resultat, um nach Jahrzehnten zu einer gemeinsamen Lösung für die Namen von Wanderwegen, Bergspitzen, Tälern und Almen zu gelangen“, kommentierte Del Rio in einer Presseaussendung. Er reagierte somit auf kritische Berichte in italienischen Zeitungen, die von einer „Kapitulation“ Roms vor Südtirols Forderungen gesprochen hatten. „Es kann niemals zu einer Einigung kommen, wenn man nicht Brücken baut und die Grenzen überschreitet. Wir haben eine Lösung für ein seit Jahren offenes Problem gefunden“, betonte der Regionenminister.

Seit 2009 schwelt der Streit um die Wanderschilder. 1526 einsprachige Tafeln hatten die Carabinieri damals auf Anordnung der Staatsanwaltschaft gezählt. Seither wird mit Rom verhandelt. Grundsätzlich hatten sich der damalige Regionenminister Raffaele Fitto und der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder im September 2010 geeinigt. Das Fitto-Durnwalder-Abkommen besagt, dass Gemeinden und Ortschaften zweinamig sein und erklärende Begriffe übersetzt werden müssen, ansonsten aber die historisch gewachsenen Ortsnamen verwendet werden. In Fällen, in denen die italienische Bezeichnung jedoch weite Verbreitung findet, soll auch hier die Beschilderung zweisprachig erfolgen. Noch immer sind 32 Flurnamen umstritten. 16 Flurnamen sind noch zu verhandeln, bei den anderen 16 sollten sie zweisprachig werden.

Kritische Reaktionen in Rom

Die rechtskonservative Tageszeitung „Il Giornale“ im Besitz von Ex-Premier Silvio Berlusconi kritisierte die Einigung zwischen der SVP und dem Regionenminister. „Delrio verschleudert unsere Sprache. Die Dolomiten sprechen jetzt Deutsch“, titelte das Blatt. „Il Giornale“ kritisierte das „Geheimabkommen“ zwischen dem Minister und Bozen. „Wenn für den Minister Zweisprachigkeit und Zusammenleben bedeutet, dass Ortsnamen nur auf Deutsch geschrieben werden, funktioniert etwas einfach nicht“, kritisierte das Blatt.

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Die Mitte-rechts-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL) um Berlusconi und die Demokratische Partei (PD) in Südtirol kritisierten, dass sie über das Abkommen nicht informiert worden sei. „Die SVP hat alles im Rahmen von Geheimtreffen ausgehandelt, alles über den Kopf der Bürger der italienischen Sprachgruppe hinweg“, betonte der Südtiroler Pdl-Politiker Enrico Lillo. Auch die Südtiroler Landtagsabgeordneten Eva Klotz kritisierte das Abkommen. Damit werde die Südtiroler Geschichte verfälscht. (APA)


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