Millionen unterschlagen und verspielt: Kärntner verurteilt

Freunden, Bekannten und Kollegen versprach der 52-Jährige lukrative Anlagegeschäfte. Das Geld verspielte er aber im Casino. Der Schaden: rund drei Millionen Euro.

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Klagenfurt – Ein 52 Jahre alter Kärntner ist am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der frühere Rotkreuz-Betriebsratsvorsitzende, hochrangige Arbeiterkammer-Funktionär und Wüstenrot-Berater versprach Freunden, Bekannten und Kollegen lukrative Veranlagungen, verspielte das Geld aber im Casino. In der Anklage sind 74 Geschädigte aufgeführt, der Schaden liegt bei rund drei Millionen Euro. Er nahm das Urteil an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

„Ich fühle mich vollinhaltlich schuldig im Sinne der Anklageschrift“, sagte der 52-Jährige vor Gericht. Er erklärte die Taten mit seiner Spielsucht. Eine Therapie sei fehlgeschlagen. „Ich habe es immer wieder für zwei, drei Monate geschafft, von der Spielsucht loszukommen. Aber dann kam immer wieder ein SMS vom Casino in Kranjska Gora (Slowenien, Anm.), dass Jetons im Wert von 300, 500, 800 Euro für mich bereit stünden.“ Seit 2002 finanzierte er seine Sucht mit dem Geld argloser Anleger. 2008 habe er dann den Überblick verloren, aber dennoch weiter gemacht. „Es war die einzige Hoffnung für mich, dass ich beim Spielen noch einen großen Gewinn mache.“

Kunden mit dem Geld anderer Opfer ausbezahlt

Gutachter Johann Neuner hatte die fünf Konten des Angeklagten, seine Aufzeichnungen und die seiner Opfer analysiert. Auf den Konten gab es eine unglaubliche Vielzahl von Bewegungen, von Überweisungen, aber auch von Barein- bzw. -auszahlungen, allein im April 2007 gab es jeweils mehr als 20.000. Im Zeitraum 2005 bis 2012 wurden 2,3 Millionen Euro von vermeintlichen Anlegern überwiesen, 950.000 Euro an Anleger transferiert. Dazu kommen unzählige Barbewegungen, oft innerhalb weniger Tage. „Warum er das einzahlt und dann wieder abhebt, ist mir ein Rätsel geblieben.“

Der Gutachter machte den Gesamtschaden mit 2,8 bis drei Millionen Euro fest, der 52-Jährige dürfte insgesamt 5,4 Millionen für „Veranlagungen“ eingenommen haben. Besonders hartnäckige „Kunden“ erhielten ihr Geld zurück, finanziert durch Einnahmen anderer Gutgläubiger. Warum angesichts der vielen Kontobewegungen erst 2013 eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung eines Instituts einging, konnte Neuner nicht sagen. Wie oft der 52-Jährige im Casino gespielt hat und wie viel Geld er dabei verlor, konnte auch nicht mehr genau eruiert werden. Das Casino in Kranjska Gora hat allein im Jahr vor seiner Festnahme 40 Besuche des Angeklagten registriert. Einmal verspielte er 300.000 Euro in acht Tagen. Er war einer der besten Kunden des Casinos.

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Wohl kein Geld für die Betrugsopfer

Begleitet wurde der Prozess von wiederkehrenden Unmutsbekundungen aus dem Publikum. Richterin Michaela Sanin ermahnte die Anwesenden immer wieder zur Ruhe: „Sie können zuhören, aber bitte halten Sie sich zurück.“

Obwohl der Angeklagte die finanziellen Ansprüche der Opfer anerkannte, wird er sie nicht bedienen können. Verwertbares Vermögen wurde viel zu wenig gefunden. Anlegervertreter Ernst Maiditsch möchte daher für seine Mandanten den Schaden in einem Zivilverfahren gegen die Bausparkasse Wüstenrot einklagen, für die der Angeklagte als Vermittler tätig war. Doris Hawelka, Vertreterin von Wüstenrot, sagte zur APA, dass man diese Ansprüche zurückweisen werde. „Die Vereinbarungen wurden mit dem Angeklagten als Privatperson abgeschlossen. Wüstenrot hat nichts damit zu tun.“ (APA)


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