Freispruch im Zweifel für Rietzer Dorfchef

Ob der Rietzer Bürgermeister seinen Kontrahenten mit Gewalt zu Fall brachte, ist unklar. Dafür ist der Freispruch rechtskräftig.

Von Alexander Paschinger

Silz – „Es gibt einen begründeten Zweifel, wie es zu dem Sturz – genau in der Sekunde – gekommen ist“, argumentierte Richterin Gabriele Ginther-Schöll am Mittwochvormittag nach fast dreistündiger Verhandlung vor dem Bezirksgericht Silz. Sie sprach den Rietzer Bürgermeister Gerhard Krug des Vorwurfes der Körperverletzung frei. Allerdings betonte sie den „Zweifelsfreispruch“ und auch, dass sie „nicht von der Unschuld überzeugt“ sei.

Anlass des Verfahrens war – wie berichtet – ein Vorfall am 8. März im Rietzer Gemeindeamt: Krug hatte erst einen anderen Beteiligten nach einem Wortgefecht aus einem Büro komplimentiert. Das Opfer stellte daraufhin den Fuß in die Tür. Und ab hier steht Aussage gegen Aussage: Opfer und zweiter Beteiligter sprechen von einem tätlichen Angriff, einem Stoß, Schlag oder Schubs, der zu Sturz und Verletzungen führte. Krug beteuert, das Opfer nicht berührt, sondern nur die Tür zugedrückt zu haben.

Gestern kamen dazu ein Zeuge und das Opfer zu Wort. Der Zeuge, ein Gemeinderat, beklagte vor allem die Situation, dass er zu Opfer und Angeklagtem ein ordentliches Verhältnis habe, und wie ungut die Situation für ihn sei. Er bestätigte aber, dass er nichts von einer Gewaltanwendung mitbekommen habe.

Die Richterin zeigte sich erschüttert über die heftigen Auseinandersetzungen im Hintergrund des Dorfes und sprach den Beteiligten ins Gewissen. Für sie ist es „ein weiterer Akt in einem Theaterstück. Landauf, landab hat man es erkannt – nur in Rietz nicht.“ Es sollten sich alle an der Nase nehmen und einen Schritt zurücktreten. „Ein Scheit allein brennt nicht.“ Sie riet Angeklagtem und Opfer, sich einen Mediator zu suchen und es „vielleicht einmal ohne Anwälte zu probieren“. Sie fühle sich hier „ein wenig instrumentalisiert“.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Der Freispruch im Zweifel wurde vom Staatsanwalt akzeptiert. Der Anwalt des Opfers verzichtet außerdem auf eine mögliche Zivilklage.


Kommentieren