Liebe in unruhigen Zeiten

Die große Geschichte und Kleider aus der Mülltonne: Die Tiroler Filmemacher Anita Lackenberger und Gerhard Mader drehen zurzeit im Valser Tal ihren ersten Spielfilm.

© Filmproduktion West/Mader

Innsbruck –Die Vorbereitungen von „Valser G’schichten“, dem ersten Spielfilm der Filmemacher Anita Lackenberger und Gerhard Mader, gingen in die letzten Runden, als im Büro ihrer Innsbrucker „Filmproduktion West“ das Telefon klingelte. Man habe in einem Müllcontainer in Inzing „Hudern aus dem letzten Jahrhundert“ gefunden. Der Fund – wohl der traurige Rest eines aufgelösten Haushalts – erwies sich als „Glücksgriff“, sagt Lackenberger im TT-Gespräch. „Authentische Alltagskleider, von der Arbeitsschürze bis zur langen Unterhose, in tadellosem Zustand. Wie gemacht für einen Auftritt vor der Kamera.“ Das Projekt, für dessen Finanzierung Lackenberger und Mader bei den einschlägigen Förderstellen fünf Jahre lang Klinken geputzt haben, stand endgültig in den Startlöchern. Nicht, dass es an fehlenden Kostümen gescheitert wäre, aber – so Lackenberger – „die Tonne von Inzing bewies, dass wir nicht nur gut vorbereitet waren, sondern nun auch das nötige Glück für diesen Kraftakt haben“.

„Valser G’schichten“ erzählt die Geschichte des Tales im Moment einschneidender historischer Veränderungen. In den Jahren 1944/45 kam mit dem Krieg die Moderne ins Tal. Ein Arbeitslager wurde gebaut. Die über Jahrhunderte gewachsene Talgemeinschaft drohte an dieser Entwicklung zu zerbrechen. Am Beispiel der jungen Rosa (Gerti Drassl), die zwischen zwei Männern steht, spitzt sich der große historische Konflikt auch im Privaten zu. Sie ist dem fanatischen Nazi Peter (Hannes Perkmann) versprochen, liebt aber den eigenbrötlerischen Hans (Harald Windisch). Alles an den „Valser G’schichten“ soll historisch akkurat sein. „Natürlich ist die Handlung etwas zugespitzt, aber sie basiert auf zahllosen Erinnerungen von Zeitzeugen, mit denen wir immer wieder gesprochen haben“, erklärt Gerhard Mader.

Mehrfach stand das Projekt auf der Kippe: Zunächst verweigerte die Südtiroler Filmförderung BLS trotz wohlwollender Bewertungen die finanzielle Unterstützung, dann sahen sich Mader und Lackenberger mit der ablehnenden Haltung der Bewohner des Valser Tales konfrontiert. „Dort hatte man mit Filmteams zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht“, erklärt Mader. „Erst als die Valser erkannten, dass wir ihr Tal nicht zu einem Ausläufer des Himalaya machen, sondern dass es uns wirklich um ihre Geschichten und Erfahrungen geht, fassten sie Vertrauen“, ergänzt Lackenberger. Seither werde man von allen unterstützt.

Ausgestattet mit einem Gesamtbudget von rund 1,3 Millionen Euro, an dem unter anderem das Österreichische Filminstitut und Cine Tirol beteiligt sind, fiel vor gut drei Wochen im Valser Tal die erste Klappe. Abgeschlossen werden die Dreharbeiten Anfang kommenden Jahres. Im Herbst 2014 sollen die „Valser G’schichten“ in die heimischen Kinos kommen. (jole)

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