Die Kunst der Stripperin als Lebensrettung

Innsbruck – In den Hollywood-Komödien der 1950er-Jahre spielte Doris Day meistens Frauen, die neben einem verrufenen Etablissement wohnen ko...

© Warner Bros.

Innsbruck –In den Hollywood-Komödien der 1950er-Jahre spielte Doris Day meistens Frauen, die neben einem verrufenen Etablissement wohnen konnten und bei der Heilsarmee um eine Kleiderspende für die armen, weil spärlich bekleideten Damen im Nachbarhaus baten. Das Frauenbild hat sich wie das Tempo in den Filmkomödien mittlerweile geändert, doch die rührende Komik aus der Zeit gefallener Mädchen ist geblieben. Sie ist das Markenzeichen in den Jennifer-Aniston-Filmen, die immer ihre Produktionskosten einspielen. Ihr aktueller Film „Wir sind die Millers“ wurde nach dem US-Kinostart sogar ein Block­buster, weil Aniston einen Imagewechsel versucht.

Rose (Aniston) arbeitet seit Jahren als heruntergekommene Stripperin, die plötzlich aus allen Wolken fällt, als sie der Manager zu professionellem Sex zwingen will. Pragmatischer sieht das ihre Kollegin, die sich freut, endlich für diese Dienstleistung bezahlt zu werden. Man könnte sich auch an die Gewerkschaft wenden, doch für Rose wird ihr Nachbar David Clark (Jason Sudeikis) zum Rettungsengel. Der Drogendealer muss eine Familie rekrutieren, um einen größeren Drogentransport von Mexiko in die Vereinigten Staaten zu realisieren. Rose gibt die Mutter, der verklemmte Kenn­y (Will Poulter) den Sohn und die blasse Casey (Emma Roberts) die Tochter, denn das Erscheinungsbild einer glücklichen Familie überlistet jede Polizei- und Grenzkontrolle. Bei mexikanischen Drogenkartellen wird bekanntlich statt Schlips MP getragen, doch Rose kann mit ihren Stripkünsten das Schlimmste verhindern. Vor der endgültigen Enthüllung bricht irgendwo ein Feuer aus.

Jennifer Aniston spielt die vom Schicksal gebeutelte Künstlerin mit einer Verve, als wollte sie sich bei Quentin Tarantino um eine Rolle bewerben. Regisseur Rawson Marshall Thurber inszeniert auch nicht ohne Ambition. „Wir sind die Millers“ sieht wie die jugendfreie Version von „From Dusk Till Dawn“ aus – nur eben umgekehrt. Das Titty Twister steht am Anfang und die heile Welt der All-American-Familie am Ende. (p. a.)


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