Hochwasser-Opfer rüsten auf Erdgas um

Eine 15 Kilometer lange Leitung wird für die Betroffenen des Hochwassers in Kössen errichtet. Etwa hundert Haushalte werden an Erdgas angeschlossen. Die Investition beträgt fünf Millionen Euro.

© Verena Hofer

Von Verena Hofer

Kössen –Niederndorf und Kössen sind auf den ersten Blick zwei Gemeinden aus den Bezirken Kufstein und Kitzbühel, die nicht viel verbindet. In Zukunft ist es jedoch eine 15 Kilometer lange Erdgasleitung, die im Herbst 2014 fertig gestellt werden soll. Für die Walchseer heißt es noch weiter warten.

Eine Spur der Verwüstung hat das Hochwasser Anfang Juni im Ortsteil Erlau hinterlassen. Teilweise stand das Wasser mehr als zwei Meter hoch, der beißende Ölgestank lag tagelang in der Luft. „Viele Öltanks haben leck geschlagen. Es entstand ein enormer Schaden“, erzählt Vizebürgermeister Herbert Exenberger. Häuser wurden kontaminiert, Spuren an einigen Hausmauer­n sind heute noch erkennbar. Probleme gab es auch mit Pellets­heizungen. „In Verbindung mit Wasser haben Pellets die Eigenschaft, aufs Sechsfache aufzuquellen“, erklärt Marc Hall, Obmann des Fachverbands für Gas- und Wasserversorgungsunternehmen. Schäden im Keller sowie an den Wänden entstehen aufgrund des Drucks. Abhilfe verschafft den Bewohnern nun Erdgas. Bei Hochwasser wird das Gas abgedreht. In Rekordzeit wird an der fünf Kilometer langen Gasleitung für den Ortsteil Erlau und das Dorf gebaut. Noch ein Monat bleibt bis zur Heizperiode Zeit, um etwa hundert Haushalte anzuschließen.

Die Arbeiten entlang der Straße sind deutlich sichtbar. Aufgeschnittener Asphalt und lange Gräben deuten auf die Verlegung hin. „Es ist ein­e tolle Sache, dass der Anschluss jetzt so schnell geht“, erklärt der Vizebürgermeister. Als „herausforderndes Projekt“ bezeichnet Philipp Hiltpolt, kaufmännischer Geschäftsführer der Tigas, die Umsetzung und erklärt, dass aufgrund des Zeitdrucks ein­e Tankanlage in Kössen gebaut wird. Für den Transport im Lkw wird das Erdgas bei minus 180 Grad verflüssigt. Bei der Einspeisung ins Netz wird der ursprüngliche gasförmige Zustand wiederhergestellt. „Rund ein Lkw pro Woche wird die Tankanlage füllen“, sagt Hiltpolt. Für die Flutopfer gibt es Sonderkonditionen. Ein Anschluss wird mit 570 Euro berechnet, Förderungen gibt es in der Höhe von 1000 Euro. In den kommenden Jahren werden fünf Millionen Euro investiert. Im Herbst 2014 soll dann die Leitung von Niederndorf nach Kössen fertig gestellt sein und die Tankanlage der Vergangenheit angehören.

„In den kommenden fünf Jahren war ein Anschluss von Kössen eigentlich nicht geplant“, erklärt Hiltpolt. Geändert hat sich die Meinung der Tigas aufgrund des Hochwassers. In Zukunft soll die gesamte Gemeinde Kössen die Möglichkeit haben, auf Erdgas umzustellen, in weiterer Folge auch Walchsee, Teile von Rettenschöss und Schwendt.

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