Geiselhaft und Erdbeben überlebt: 17-Jährige erste US-Open-Sensation

Die US-Teenagerin Victoria Duval setzte sich erst gegen Samantha Stosur durch und erzählte dann ihre ganz persönliche Gesichte.

© X90033

New York - Während Novak Djokovic, Roger Federer und Co. bei den Herren einen souveränen Start in die mit 34,3 Mio. Dollar dotierten Tennis-US-Open 2013 hingelegt haben, hat schon der zweite Turniertag bei den Damen eine Sensation gebracht. Die erst 17-jährige US-Qualifikantin Victoria Duval eliminierte am Dienstag in Runde eins die als Numme elf gesetzt gewesene Samantha Stosur mit 5:7,6:4,6:4. Die Australierin hatte noch 2011 das New Yorker Grand-Slam-Turnier gewonnen.

In Geiselhaft mit sieben Jahren

Die bisherige Lebensgeschichte der aus Haiti stammenden und in Atlanta lebenden Duval ist höchst bemerkenswert. Duval war sieben Jahre alt, als sie und ihre Cousins während eines Raubüberfalls mit Waffengewalt in Geiselhaft genommen wurden. Damals hatte die am 30. November 1995 in Miami geborene Duval mit ihrer Familie in Haiti gelebt.

Mit der achtjährigen Victoria kehrte man wieder in die USA zurück und dennoch hätte die Familie 2010 beinahe einen tragischen Schicksalsschlag in der alten Heimat erlitten. Denn Duvals Vater Jean-Maurice wurde bei dem fatalen Erdbeben, bei dem 100.000 Menschen ihr Leben ließen, ebenfalls verschüttet.

Erst nach elf Stunden wurde Duvals in Port-au-Prince weilender Vater mit gebrochenen Beinen, Armen und Rippen geborgen. Die über das Tennis zustande gekommene Freundschaft mit einer US-Familie rettete ihm das Leben, denn Immobilien-Makler Harry Kitchen hatte einen 30.000 Dollar (heute 22.492,13 Euro) teuren Rettungs-Helikopter organisiert und bezahlt.

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Schutzengel Kitchen

Danach wurde Jean-Maurice Duval nach Florida ins Krankenhaus ausgeflogen. „Ohne die Kitchens wäre mein Vater tot und heute nicht hier. Sie sind richtige Schutzengel, wir werden ihnen ewig dankbar sein“, zeigte sich Victoria Duval nach ihrem Sieg in New York dankbar.

Ihr Vater war am Dienstag auch einer der Daumendrücker auf der Tribüne. Mit ihrem kraftvollen aber noch etwas unorthodoxen Spiel brachte die 17-Jährige die routinierte Stosur Mitte des zweiten Satzes völlig außer Tritt. 2012 hatte Duval im Arthur Ashe mit 16 Jahren in Runde eins gegen Kim Clijsters verloren, im zweiten Anlauf gegen eine ehemalige Open-Siegerin hatte der Teenager - diesmal im Louis Armstrong - aber schon die Energie zum Sieg.

„Ich war danach so aufgeregt, dass ich mich nicht einmal mehr an den Matchball erinnern kann. Aber ich dürfte mich ziemlich gefreut haben, so sehr bin ich auf dem Platz herumgehüpft“, versuchte Duval ihre Gefühle nach dem Sensationssieg zu beschreiben. Stosur war nach 56 unerzwungenen Fehlern sauer. „Sie hat gut gespielt, ich habe ihr aber auch sehr geholfen“, ärgerte sich die Australierin.

53.000 Dollar Preisgeld sicher

Für Duval kommen 53.000 Dollar (39.736 Euro) Preisgeld gerade zur rechten Zeit. Denn aufgrund der Arbeitsunfähigkeit ihres mehrfach operierten Vaters hatten sich bereits finanzielle Probleme bei der in Florida bei Nick Bollettieri trainierenden Nachwuchsspielerin breitgemacht. „Ich hoffe, das ändert sich jetzt“, sagte Victoria Duval. In Runde zwei trifft sie auf die Slowakin Daniela Hantuchova.

Die Schicksalsschläge der Vergangenheit hat Duval offenbar gut weggesteckt. „Ich denke nicht mehr allzu viel daran“, erklärte die dunkelhäutige Rechtshänderin, die nach ihrem Flushing-Meadows-Triumph u.a. eine Gratulation per Twitter des US-Rappers Lil Wayne erhalten hatte. „Das muss ich mir anschauen“, kicherte das Mädchen, das in vielen Belangen ein ganz normaler Teenager ist. „Auf dem Platz bin ich ziemlich albern“, bekannte sie.“ (APA)


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