Ein blaues Wunder erleben

Die Stanzer Zwetschke ist seit heute im Handel. Warum sie so schmeckt, wie sie schmeckt, kann der Obmann des Stanzer Obstbauvereins wissenschaftlich erklären.

© Kathrin Siller

Von Kathrin Siller

Stanz –Seit gestern ist es bei der Familie von Stefan Nothdurfter in Stanz vorbei mit der sommerlichen Beschaulichkeit. Denn die Ernte der Stanzer Zwetschken hat begonnen. Bis zum Schluss werden die Nothdurfters etwa 50 Tonnen der blauen Köstlichkeit gepflückt haben. In der ganzen Region ernten 64 Obstbauern insgesamt ca. 300 Tonnen. Was das Obst so außergewöhnlich macht, kann Stefan Nothdurfter, seit 30 Jahren Obmann des Obstbauvereins, wissenschaftlich belegen. „Unsere neun Sorten haben einen Mindestzuckergehalt von 20 Prozent. Sie sind tiefblau, leicht säuerlich und mineralisch würzig.“

Diese Attribute haben die Früchte dem mineralischen Boden – einer alten Gletschermoräne – zu verdanken. Aber auch das Stanzer Mikroklima tut sein Übriges. Weil die Bäume später blühen, kann ihnen der Frost weniger anhaben. Zum Teil ergeben sich große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht von bis zu 30 Grad.

Im September/Oktober werden in Stanz auf 1038 Metern Höhe im Schnitt sieben bis neun Sonnenstunden gemessen, in Landeck sind es nur fünf bis sieben. Für die 30 Tage der Reife und Ernte ergibt das 90 bis 180 Sonnenstunden mehr als im Tal.

Auch die Inhaltsstoffe der Früchte hat Nothdurfter bis ins Detail analysieren lassen: „Zum größten Teil besteht die Zwetschke aus Wasser. Allerdings enthält sie viel Fruchtzucker und Ballaststoffe, Eisen, Magnesium, Kalium, Kupfer und Zink. Sie versorgt den Körper mit Provitamin A, Vitamin C und E und Vertretern aus der B-Gruppe, die wiederum für das Nervensystem wichtig sind. Daneben ist ihre abführende und harntreibende sowie cholesterinsenkende Wirkung erwiesen“, zitiert der Obstbauer aus seinen Unterlagen. Nothdurfter und seine Kollegen haben die Stanzer Zwetschke aus einem guten Grund so genau untersuchen lassen: „Unser Ziel für 2013 ist es, das EU-Gemeinschaftszeichen ‚geschützte geographische Angabe‘ (g. g. A) für unsere Zwetschken zu erhalten. Als Rechtsträger soll der Obstbauverein auftreten, der seine Rechte bei Bedarf gerichtlich einklagen kann.“

Das Ganze diene vor allem dem Konsumentenschutz. Denn neben vielen vorbildlichen Gemüsehändlern gebe es in Tirol auch schwarze Schafe, die irgendwelche Zwetschken als Stanzer und damit teurer verkaufen. Mit der Isotopenanalyse etwa ließe sich eindeutig beweisen, dass ein Produkt aus einer bestimmten Region stammt. Eine andere, ganz neue Methode wäre die Tiefeninfrarotmessung, eine Art Lebensmittelscanner, die sich aber noch in der Testphase befindet.

Nothdurfters Wunsch ist es, für seine Früchte irgendwann sogar das Siegel „geschützter Ursprung“ (g. U.), wie es etwa die Wachauer Marillen tragen, zu bekommen. Voraussetzung dafür wäre, dass alles rund um die Zwetschke aus der Region stammt. Was den Stanzern dafür aber noch fehlt, ist eine Baumschule.


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