Iran erweitert seine Kapazitäten zur Urananreicherung

Der Iran weitet nach einem neuen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sein umstrittenes Atomprogramm weiter aus.

Eine iranische Atomanlage in Isfahan.
© AFP

Wien, Teheran - Der Iran hat nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) weitere modernere Zentrifugen installiert. Die Anzahl der zur Urananreicherung benötigten hochmodernen IR-2M-Zentrifugen habe sich in der Atomanlage Natans auf 1008 erhöht, hieß es in einem am Mittwoch vorgelegten Bericht der in Wien ansässigen UNO-Organisation. Im letzten IAEA-Bericht von Mai war die Zahl noch mit 698 angegeben worden. Bis zum Abschluss des Berichts am 24. August wurde keine dieser Zentrifugen in Betrieb genommen. Nimmt das Land sie in Betrieb, könnte es damit aber deutlich mehr Uran schneller anreichern.

Atomgespräche sollen am 27. September fortgesetzt werden

Wie die Organisation weiter mitteilte, sollen die internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm am 27. September fortgesetzt werden. Ein Sprecher sagte, die Verhandlungen würden in Wien stattfinden, zu den Teilnehmern äußerte er sich nicht. Der neue iranische Präsident Hassan Rohani (Rouhani) hatte kürzlich den bisherigen Außenminister Ali Akbar Salehi zum neuen Chefunterhändler ernannt. Zum Nachfolger des bisherigen IAEA-Botschafters Ali Asghar Soltanieh wurde der Diplomat Reza Najafi bestimmt.

Die letzte Runde der Gespräche zwischen der sogenannten 5+1-Gruppe und Teheran, an denen die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland teilnehmen, war im April im kasachischen Almaty ohne Ergebnisse geblieben. Der Iran lehnte es ab, wie von den Verhandlungspartnern gefordert die Urananreicherung auszusetzen. Die im Gegenzug gebotenen Erleichterungen bei den Sanktionen, die im Iran eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst haben, wies Teheran als zu gering zurück.

Rohani hatte nach seinem Amtsantritt Anfang August seine „ernsthafte Gesprächsbereitschaft“ angekündigt. Zugleich kündigte er an, an der Urananreicherung festhalten zu wollen. Rohani hatte als iranischer Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen mit den Europäern 2003 in die Aussetzung der Urananreicherung und unangekündigte Kontrollen der Atomanlagen eingewilligt. Im Iran, aber auch im Westen war damals kritisiert worden, dass die Europäer kaum etwas im Gegenzug geboten hatten.

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Teheran beharrt auf ihrem Recht zur Nutzung der Atomenergie

Der Streit um das iranische Atomprogramm dauert bereits seit einem Jahrzehnt. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel seines zivilen Atomprogramms nach einer Bombe zu streben. Die Regierung in Teheran beharrt dagegen auf ihrem Recht zur Nutzung der Atomenergie. Im Zentrum des Streits steht die Urananreicherung, die es dem Iran erlauben könnte, selbst hochangereichertes Uran für eine Atombombe zu produzieren. Die IAEA verlangt Zugang zu den Anlagen, Experten und Dokumenten.

Bereits Mitte August hatte der damals aus dem Amt scheidende Chef des iranischen Atomprogramms, Fereydoun Abbasi-Davani, erklärt, Teheran verfüge über knapp 1000 moderne Zentrifugen für eine deutlich beschleunigte Urananreicherung in den Atomanlagen Natanz und Fordo. Insgesamt verfüge das Land über 18.000 Zentrifugen. Diese Angaben hatte die IAEA damals nicht unmittelbar bestätigt.

Im Gegensatz zur Zahl der Zentrifugen stieg laut Bericht der Bestand des vom Westen kritisch beobachteten auf 20 Prozent angereicherten Urans kaum: Zwar reicherte Teheran seit dem letzten IAEA-Bericht im Mai 48,5 Kilo mehr an und kam auf einen Gesamtbestand auf 372,5 Kilogramm. 186,7 Kilo davon wandelte das Land aber weiter um, sodass es nur noch schwer für Atomwaffen verwendet werden kann. (APA/AFP/Reuters/dpa)


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