Höhere Duale Ausbildung vor Start

Im Herbst 2013 startet in Innsbruck ein neuer Schultyp für 14-Jährige. Die „Höhere Duale“ bietet angehenden Bürokaufleuten Lehrabschluss, Matura und Unternehmerprüfung.

Martin Felder: „Mit der Höheren Dualen Schule ist uns eine solche Weiterentwicklung an die Bedürfnisse der Jugend und der Wirtschaft gelungen“
© TT/Thomas Boehm

Von Barbara Egger

Innsbruck –Wenn im Herbst 2013 die „Höhere Duale“ (HD) in einem Schulversuch an der Polytechnischen Schule Innsbruck erstmals startet, ist das eine Österreich-Premiere. Der neue Schultyp ist eine gemeinsame Initiative der Wirtschaftskammer Tirol (WK), des Landes Tirol und des Tiroler Landeschulrates. Über die Beweggründe, einen neuen Schultyp zu entwickeln, sagt WK-Vizepräsident Martin Felder: „Wir brauchen in unserem Land perfekt ausgebildete Fachkräfte mit einem starken und fundierten wirtschaftlichen Hintergrund. Wir brauchen Fachleute, die dank ihrer guten Ausbildung den elterlichen Betrieb übernehmen, selbst ein Unternehmen gründen oder ganz einfach Karriere als Führungskraft machen wollen.“

Laut aktuellen Arbeitsmarktdaten weise Tirol die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU auf. „Dazu trägt das System der dualen Ausbildung und Lehre bei“, ist Felder überzeugt. Ebenso wichtig wie die Lehre an sich sei die Veränderung und Anpassung an aktuelle Bedürfnisse und Erfordernisse. „Mit der Höheren Dualen Schule ist uns eine solche Weiterentwicklung an die Bedürfnisse der Jugend und der Wirtschaft gelungen“, bemerkte Felder weiter.

Über mangelndes Interesse kann sich Paul Hofbauer, Direktor der Polytechnischen Schule Innsbruck, jedenfalls nicht beklagen. „Wir haben bereits 20 Anmeldungen“, freut er sich über das Interesse der Jugendlichen an diesem Pilotprojekt. „Die Höhere Duale ist ein hundertprozentiger innovativer Schulversuch. Der neue Schultyp gibt den Jugendlichen erstmals die Gelegenheit, die Matura mit der praktischen Berufsausbildung im Rahmen einer fünfjährigen Ausbildung zu verbinden“, sagte Hofbauer. Auch Landesschulratspräsident Hans Lintner ist von der Höheren Dualen überzeugt: „Berufsschule und Polytechnische Schule rücken näher zusammen. Wir sehen in diesem neuen Schultyp ein sehr gutes Modell zur Weiterentwicklung und Qualitätssteigerung der dualen Ausbildung in Tirol.“

Im Wifi Tirol zeigt man sich erfreut darüber, „dass das Grundmodell der Höheren Dualen von der Schulbehörde so positiv aufgenommen wurde und als öffentlicher Schulversuch ab Herbst erstmals in Tirol umgesetzt wird“, sagte Charlotte Matt. Die Wifi-Projektkoordinatorin sieht im neuen Schultyp eine echte Bildungsinnovation. Der Schwerpunkt der Höheren Dualen liege klar in den Bereichen Wirtschaft und Unternehmertum. Damit trage sie dem Bedarf nach qualifizierten kaufmännischen Fachkräften, Unternehmern und Unternehmensnachfolgern Rechnung. „Vier Abschlüsse im Rahmen einer Berufsausbildung zu erhalten, ist in Österreich bisher einzigartig“, erklärte Matt.

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HD-Absolventen können nach fünfjähriger Ausbildung einen Lehrabschluss im Lehrberuf Bürokaufmann/Bürokauffrau ebenso nachweisen wie die Matura, den Unternehmensführerschein und eine umfassende Persönlichkeitsbildung im Rahmen von vertiefenden Coachings und Impulsworkshops am Wifi Tirol. „Die Innovation der HD besteht darin, dass aufbauend auf eine spezielle Ausbildung in der Polytechnischen Schule eine vertiefte kaufmännische Ausbildung in der Berufsschule mit der Vorbereitung auf die Matura im Wifi kombiniert wird“, erläuterte Charlotte Matt.

Zusätzlich steht auch ein betreuter Auslandsaufenthalt in einem Unternehmen auf dem Stundenplan. „Das fördert die Sprachkompetenz und erweitert die persönlichen Kompetenzen der Jugendlichen zusätzlich“, ergänzt Matt. Für die Anmeldung an der Höheren Dualen ist der positive Abschluss der achten Schulstufe notwendig. „Die Jugendlichen sollten sich auf jeden Fall für Wirtschaft interessieren“, zählt Hofbauer eine wesentliche Aufnahmevoraussetzung auf. Auch Jugendliche, denen eine praxisorientierte kaufmännische Ausbildung wichtig ist und die später die Möglichkeit haben wollen, an einer Universität oder Fachhochschule zu studieren, seien an der Höheren Dualen richtig.

Wenn die Höhere Duale für Wirtschaft im Herbst startet, haben Tirols Bildungsexperten bereits ein weiteres Projekt in der Pipeline. „Das Modell Höhere Duale ist ausbaufähig. Es wird daran gedacht, das Modell auch in Landeck für eine Höhere Duale für Tourismus auszubauen“, erklärte Matt. Noch befänden sich die Schulpartner im Anfangsstadium der Planung, man erhebe die Nachfrage. Sollte eine „Höhere Duale Tourismus“ realisiert werden, dürfte der Schul­standort Landeck tatsächlich gute Karten haben. Erst kürzlich hat das Land Tirol ein neues Tourismus-Vollzeitstudium vorgestellt, das 2014 in den Räumlichkeiten der HAK/HAS in Landeck starten soll. Somit könnte sich Land­eck als touristisches Ausbildungs-Kompetenzzentrum positionieren.


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