Pop-Art: Fröhlich und immer aktuell

Die 60er Jahre waren eine Zeit, in der alles möglich schien. Die notwendigsten Bedürfnisse der Nachkriegszeit waren gestillt, neue Ideen und Produkte weckten neue Konsumwünsche, Design wurde fröhlich und nützlich.

© Zanotta/Zanotta

Berlin –Möbel aus Holz galte­n in den 60ern vielen als verstaubt und altbacken, Plastik avancierte zum Symbol für Modernität. Wenn die Kreativen damals einen neuen Stuhl entwarfen, veränderten sie nicht nur irgendein Detail, sondern sie entwickelten neue Formen. Auch die Polstermöbel sahen in der Pop-Art-Epoche anders aus als alle Sessel bis dahin: Sie bestanden aus frei kombinierbaren Elementen, mit denen man völlig neu umgehen, flexibler und weniger steif wohnen konnte.

Der Däne Verner Panton war der Designer, der die gestalterischen Freiheiten der neuen Kunststoffe am formvollendetsten ausreizte. Sein Panton-Stuhl war der erste Kunststoffstuhl aus einem Guss (1960–66). Einer, der an der Entwicklung des Freischwingers beteiligt war, ist Rolf Fehlbaum, Chairman Emeritus von Vitra. Die neuen Kunststoffe eigneten sich für die Serienproduktion – und erlangten so ungeheur­e Bedeutung gerade für das italienisch­e Design. Vor allem Kartell gilt als Pionierunternehmen. Designgrößen wie Joe Colombo, Achille Castiglioni, Vico Magistretti oder Ann­a Castelli Ferrieri entwarfen auf eben dieser Grundlage Möbelserien – heute Klassiker. Dazu zählen Colombos Stapelstuhl „4867“ (1968) und die Container-Elemente „4970/84“ von Anna Castelli Ferrieri (1967).

Angeblich der erste komplette Kunststoffsitz überhaupt ist der stapelbare Kinderstuhl „K4999“ von Marco Zanuso und Richard Sapper (1964). „Die Chancen waren nahezu unbeschränkt, erstens wegen der sich ständig bessernden Wirtschaftslage“, erzählt Richard Sapper, „zweitens wegen des rapiden technischen Fortschritts zu dieser Zeit. Der Fortschritt gestattete uns, völlig neue Formen und technische Lösungen zu entwickeln und somit neue Produkte zu erfinden und sie dem Publikum anzubieten.“

Jonathan De Pas, Donato D’Urbino und Paolo Lomazzi entwarfen in Mailand leichte und transportable Möbel, die den Aufbruch einer ganzen Generation versinnbildlichten: Eines ihrer wohl bekanntesten Objekte ist der aufblasbare Sessel „Blow“ (1967), ein weiteres das wie ein Baseballhandschuh geformte Sofa „Joe“, das seit 1970 bei Poltronova in Produktion ist. „Wir waren damals jung, lebenshungrig und wollten mit den bürgerlichen Traditionen brechen“, berichtet Designer Paolo Lomazzi. „Die große gesellschaftliche Umwälzung, die damals ablief, bedeutete einen rigorosen Bruch mit der Vergangenheit, der sich nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Musik, die Kleidung und natürlich das Design auswirkte.“

Sie wollten Objekte machen, die sympathisch, fröhlich und nützlich sind. In dieses Konzept passt der Sitzsack „Sacco“ von Piero Gatti, Franc­o Teodoro und Cesare Paolini für Zanotta (1968). Der mit Polystyrol-Kügelchen gefüllte Sack passt sich jeder Körperform und -haltung an, ein Sinnbild des legeren Wohnstils. (APA, dpa)


Kommentieren


Schlagworte