Kultur und Kalkulation

Kulturmanagement braucht mehr als die Liebe zur Kunst. Aber ohne Leidenschaft für die Kunstszene geht es nicht, ist Stefan Sternad überzeugt.

© Hanna Pöschl

Von Ernst Spreng

Schwaz –Stefan Sternad schwärmt vom Auftritt von Gitarrist Vernon Reid beim heurigen Jazzfestival Outreach. Er ist überzeugt davon, dass Kultur nicht immer nur leicht verdaulich sein darf. Spricht man mit ihm über Jazz oder Filmprojekte, beginnen seine Augen zu leuchten. In Tirol kennt man Stefan Sternad als Geschäftsführer des bekannten Jazzfestivals in Schwaz. Sternad hat aber 2007 seine Leidenschaft zum Beruf gemacht, lebt heute in Salzburg und managt verschiedene Kulturinitiativen.

„2007 war ich Vertriebsleiter einer Großdruckerei. Ich spürte, dass ich mich beruflich verändern muss. Für kulturelle Andersartigkeit gab es schon immer eine große Leidenschaft. Zu diesem Zeitpunkt kam Franz Hackl auf mich zu und sagte: Schau dir mal die Organisation von Outreach an“, erzählt Stefan Sternad, wie seine Berufslaufbahn als Kulturmanager begann. Seitdem kümmert er sich als Mann im Hintergrund um das Jazzfestival. Ein weiteres Projekt Sternads ist das „Studio West“ in Salzburg, ein Verein für freie Filmschaffende. Hier kümmert er sich darum, dass Filmideen zu konkreten Projekten werden, vernetzt Menschen miteinander, kümmert sich aber auch um Finanzierungen und Förderungen.

Den Beruf des Kulturmanagers umschreibt er blumig als die Arbeit eines Clowns beim Jonglieren und meint gelassen: „Das schönste Gefühl ist es, wenn du im Gewühl einer Kulturveranstaltung noch tanzen kannst.“ Gemeint ist damit die Vielseitigkeit seines Berufes. Das Aufgabenfeld reicht von der gemeinsamen Schärfung einer Idee bis hin zu Sponsoring, Finanzierung und Netzwerkarbeit. Nicht zu vergessen, dass schlussendlich die Plakate hängen müssen, die Tonanlage funktionieren sollte, der Künstler seine Idee umsetzen kann – und das Budget eingehalten wird. Dabei ist für Sternad eines klar: „Ohne einen persönlichen Bezug zur Kulturszene geht es nicht, Manager allein zu sein, ist zu wenig. Du musst die Leidenschaft mitleben. Als Kopf der Truppe brauchst du Bodenhaftung, einen Bezug zu dem, was die Künstler schaffen.“

Dennoch: Die nackten Zahlen im Griff zu haben, gehört zum täglichen Brot eines Kulturmanagers. „Viele Kulturschaffende haben ein Problem. Sie müssen mit zu wenig Geld und zu wenig Zeit etwas umsetzen. Und sind damit dann nicht glücklich“, erzählt Sternad aus der Praxis. „Es ist eine Tatsache, dass sich die Kultur in einer Rezession befindet. Öffentliches und privates Geld sitzt nicht locker. Hier ist die Aufgabe eines Kulturmanagers, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit ein Kunstprojekt sich entfalten kann.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Gerade die Sponsorensuche ist für Sternad eine wichtige Funktion des Kulturmanagements – und ein langer Prozess. „Outreach ist ein gutes Beispiel. Das Produkt ist ungewöhnlich, abseits des Mainstream und international. Die Sponsoren halten uns die Treue, weil sie eine künstlerische und organisatorische Entwicklung sehen“, meint Sternad.

Gerade die Entwicklung ist es, die Sternad am Beruf des Kulturmanagers fasziniert. „Die größte Fähigkeit in meinem Beruf ist es, sich sensibel in ein Kulturprojekt hineinzudenken, Ideen zu schärfen und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen“, erklärt der Wahl-Salzburger und denkt schon daran, wie Outreach 2014 wohl aussehen wird.


Kommentieren


Schlagworte