„Symbolischer“ Militäreinsatz: Zweifel an der Wirksamkeit von Angriffen auf Syrien

Die USA wollen Assad für den Einsatz vvon Chemiewaffen bestrafen. Doch Experten bezweifeln, dass begrenzte Luftangriffe wirklich Wirkung zeigen können.

© Navy Visual News Service (NVNS)

Von Mathieu Rabechault, AFP

Damaskus/Washington - Die erwartete US-Militärintervention in Syrien wäre vor allem eine Strafaktion für den angeblichen Einsatz von Chemiewaffen durch Machthaber Bashar al-Assad. Vieles deutet auf einen kurzen, aber heftigen Angriff mit Tomahawk-Marschflugkörpern hin. Wochenlange Luftangriffe wie 1999 im Kosovo-Krieg oder gar eine Bodenoffensive wird es dagegen wohl nicht geben. Experten bezweifeln, dass die USA und ihre Verbündeten Assad damit nachhaltig beeindrucken können.

Washington hat deutlich gemacht, eine klare Botschaft an die syrische Führung schicken zu wollen. US-Außenminister John Kerry sagte am Montag, die internationale Gemeinschaft müsse das „rücksichtslose Abschlachten von Zivilisten“ mit chemischen Waffen ahnden, damit es sich nicht wiederhole. Zugleich verlautete aus der US-Regierung, dass weder eine Veränderung des Gleichgewichts in dem Bürgerkrieg zu Gunsten der Rebellen noch ein Sturz Assads das Ziel seien.

Zweifel an Wirksamkeit begrenzter Luftschläge

Der Präsident des renommierten Washingtoner Think-Tanks Council on Foreign Relations, Richard Haas, bezweifelt die Wirksamkeit von begrenzten Luftschlägen. Die Angriffe müssten „groß genug sein und genug Schmerz und Kosten für die Syrer verursachen, damit sie von einem erneuten Einsatz chemischer Waffen abgeschreckt werden“.

Auch der Militärexperte Christopher Harmer glaubt, dass die Tomahawk-Salven nur ein vorübergehender Rückschlag für Assad wären. Die vier im östlichen Mittelmeer kreuzenden US-Kriegsschiffe hätten etwa insgesamt 180 dieser Marschflugkörper an Bord. Die Fähigkeiten und das Chemiewaffenprogramm des syrischen Militärs könnten damit aber nicht zerstört werden, sagte Harmer.

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Militäreinsatz könnte Assad stärken

Einige Experten warnen davor, dass eine militärische Bestrafung Assads nicht nur wirkungslos, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. Die syrische Führung lerne dadurch, wie weit sie in dem Konflikt gehen könne, schrieb Robert Satloff vom Washingtoner Institut für Nahostpolitik in einem Kommentar für die Nachrichtenseite „Politico“. Damaskus könnte dann besser abschätzen, was „akzeptable Werkzeuge für Massentötungen“ seien. „Das könnte am Ende Assad und seine Verbündeten stärken“, befürchtet Satloff.

Für die Wirksamkeit von militärischen Strafaktionen gibt es keine klaren historischen Beweise. Die USA flogen etwa im Frühjahr 1986 als Vergeltung für den Anschlag auf die Berliner Diskothek „La Belle“ eine Nacht lang Luftangriffe gegen den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi. Zwei Jahre später ließ Gaddafi über dem schottischen Lockerbie ein US-Passagierflugzeug in die Luft sprengen.

„Die größte Herausforderung in Syrien ist nicht, den Einsatz von chemischen Waffen zu beenden“, sagt Antony Cordesman von der Denkfabrik Center for International and Strategic Studies in Washington. Die eigentliche Herausforderung sei die Beendigung des Bürgerkriegs mit mehr als 100.000 Toten und Millionen Vertriebenen. Kurze Luftangriffe der USA sind laut Cordesman allenfalls „Symbolik“.

(Mathieu Rabechault arbeitet für die Nachrichtenagentur AFP)


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