Erneut Disziplinaranzeige nach einer Gamsjagd

Ein Jäger ließ angeblich den Kadaver eines erlegten Kitzes liegen. Landesjägermeister Toni Larcher: „Das entspricht keinesfalls einem waidgerechten Verhalten.“

Von Thomas Hörmann

Leutasch – Das Verhalten eines Jägers ist jetzt der Anlass für ein weiteres Disziplinarverfahren beim Landesjägerverband. Der Grund: Der Waidmann hat ein „erlegtes Kitz nicht verwertet, sondern zurückgelassen“, glaubt Landesjägermeister Toni Larcher: „Das entspricht keinesfalls einem waidgerechten Verhalten.“

Der Jäger hat nicht nur ein Kitz, sondern auch eine ältere Gamsgeiß erlegt. Von diesem Tier löste der Leutascher das verwertbare Fleisch ab, der Rest der Gams blieb zurück. „Das ist durchaus üblich, die Überreste verwerten Aasfresser wie beispielsweise Raben.“

Die Kadaver wurden beim Steinernen Hüttl in einem Bach entdeckt. Wer die Tierleichen dort abgelegt hat, ist unklar. Möglicherweise spielen dabei Streitereien zwischen dem Jäger und einigen Leutascher Bauern eine Rolle. Beim Beschuldigten handelt es sich laut Larcher übrigens um einen Berufsjäger. Und der soll die Vorwürfe dementieren – er habe das Kitz sehr wohl verwertet. Angeblich besitzt er sogar ein Video von der Jagd, mit dem er jetzt seine Unschuld beweisen will.

Larcher fordert „Überdenken des Umgangs mit Jagdgästen“

Die Veröffentlichung des Jagdvideos, das den grausamen Tod einer Gams in der Leutasch zeigt, dürfte jetzt übrigens zu Konsequenzen führen. Nicht nur für die beteiligten heimischen Jäger und den russischen Jagdgast – Larcher fordert jetzt generell ein „Überdenken des Umgangs mit Jagdgästen“.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Der Landesjägermeister regt an, eine Datenbank für alle ausländischen Jagdgäste anzulegen: „Damit wäre sichergestellt, dass wir und die Behörden vor dem Antritt einer Jagd wissen, wer bei uns in Tirol zu jagen gedenkt. Wer sich danebenbenimmt, dem steht keine Jagdkarte zu.“

Wie Larcher weiters betont, werden nach dem qualvollen Tod der Gams am 15. August der Jagdpächter, der Jagdleiter und die Begleiter des Russen vor den Disziplinarausschuss des Jägerverbandes zitiert. Im konkreten Fall kann sich Larcher einen dauerhaften Entzug der Jagdkarten vorstellen. Derzeit liegt die Höchststrafe bei einem dreijährigen Lizenzverlust. Außerdem „bin ich dafür, den Jagdpachtvertrag behördlich aufzulösen und das Revier in verlässliche Hände zu geben. “

Tirols Oberjäger spricht sich für strengere Jagdgesetze aus: „Wir sind für schlagkräftige Rahmenbedingungen.“


Kommentieren


Schlagworte