Tierschützer nach Säureanschlag offenbar schwerverletzt

Fünf Personen erlitten Verätzungen im Gesicht oder an anderen Körperstellen, heißt es in einer Aussendung des Vereins gegen Tierfabriken. Der Täter wurde festgenommen.

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Wien - Bei einem Buttersäureanschlag in der Wiener Mariahilfer Straße am Mittwochvormittag haben Aktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) nach eigenen Angaben doch schwerwiegendere Blessuren erlitten als ursprünglich befürchtet. „Tatsächlich gibt es Schwerverletzte“, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung des VGT. „Einem Tierschützer löste sich die Hornhaut vom Auge ab, er wird möglicher Weise nie wieder gut sehen können. Eine andere Tierschützerin erlitt eine Bindehautentzündung.“ Bei der Polizei wurden diese Angaben allerdings nicht bestätigt.

Ungar hat den Anschlag gestanden

Der Anschlag wurde auf die VGT-Aktivisten während einer Kundgebung vor der Firma „Kleider Bauer“ verübt. Dabei habe es zusätzlich bei fünf Personen Verätzungen im Gesicht oder an anderen Körperstellen gegeben, so der VGT. Der Täter habe neben der Buttersäure auch ein illegales Elektroschockgerät bei sich gehabt. Das bestätigte auch die Wiener Polizei. Laut Polizeisprecherin Michaela Rossmann hat der Mann, ein Ungar mit Wohnsitz in Wien, den Anschlag gestanden. Er wurde auf freiem Fuß angezeigt. Das Motiv blieb laut Exekutive eher im Dunkeln.

Laut VGT sei der Mann „dem extremen christlich-rechtskonservativen Lager zuzuordnen, weil er auf mehreren Demos mit diesem Hintergrund, zum Beispiel gegen das Abhängen von Kreuzen in Volksschulen, auffällig wurde“. Im Gespräch mit einer Tierschützerin vor seiner Übergabe an die Polizei habe er bestätigt, „dass er für den Anschlag auf den Tierschutz bezahlt worden ist“.

VGT-Obmann beschuldigt „Pelzindustrie“

VGT-Obmann Martin Balluch beschuldigte die „Pelzindustrie“: „Angesichts der Leichtigkeit, mit der die Pelzindustrie auf Buttersäure zugreifen kann, muss man sich jetzt auch fragen, ob die angeblich von Tierschützern vor sieben Jahren verspritzte Buttersäure in Geschäftslokalen nicht von der Pelzindustrie selbst stammte.“ Die Entwicklung beweise, „woher der tatsächliche Terrorismus kommt: Nicht vom Tierschutz, der von selbstlosen Idealisten getragen wird, sondern von einer Industrie, die mit brutalsten Mitteln aus Tieren ihren Profit presst“, so Balluch.

Balluch selbst könnte seine Einstellung zu Buttersäureattentaten mittlerweile überdacht haben. Er soll laut dem Wiener Stadtmagazin „Falter“ (16/09) in einem Mail über ein Buttersäureattentat auf „Kleider Bauer“ - das unter anderem Gegenstand der Anklage beim Tierschützer-Prozess war, der mit Freisprüchen endete - einmal geschrieben haben: „Ich denke, es besteht echt kein Grund zur Panik, nur wegen Buttersäure bei Kleider Bauer. Das ist doch nur Gestank, ned amal richtig eine Sachbeschädigung.“ (APA)


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