Training für Bauch-Beine-Po auf Korsisch

Ob Sonnenanbeter, Bergfexen oder auch Schleckermäuler – auf Korsika, der Insel der Schönheit, kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Oder aber erst auf den Geschmack.

Von Kathrin Waldner

Calvi –Der Landeanflug hat begonnen. Und während der Flieger immer tiefer Richtung Flughafen Calvi sinkt und sanft an den Bergen vorbeigleitet, kommt einem spontan das Kinderlied „Eine Insel mit zwei Bergen ...“ in den Sinn.

Doch mit zwei Bergen ist es auf Korsika nicht abgetan: Wüsste man es nämlich nicht besser, so könnte man doch glatt annehmen, man sei soeben irgendwo in den Alpen am Festland gelandet. So reiht sich ein Gipfel an den anderen und sorgt damit für eine atemberaubende Bergkulisse – vor allem vom Meer aus gesehen. Mit 2343 Metern ist der so genannte Capo Tafonato dabei zwar nicht die höchste Erhebung der Insel, aber mit Sicherheit jene, die Korsikabesuchern lange in Erinnerung bleiben wird. Hat der Berg doch tatsächlich ein etwa 30 Meter großes Loch, das auch aus der Entfernung gut sichtbar ist. Der Legende nach ist dieses übrigens dem Teufel zu verdanken, der in einem Wutanfall einen Hammer gegen den Berg schleuderte ...

Doch wer nicht unbedingt ganz hoch hinaus muss und dennoch später gern den Daheimgebliebenen von seinen sportlichen Aktivitäten erzählen will – ja, dem ist eine Wanderung durch das Fangotal zu empfehlen. Zum einen, weil diese Tour auch ohne sonderlich ausgeprägte Kondition gut zu bewältigen ist, und zum anderen, weil man dabei Wasserschildkröten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Doch dem nicht genug. „Das Fangotal ist Teil eines Naturschutzgebiets und bis auf eine Zubringerstraße verkehrsfrei. Man sieht und vor allem riecht Korsika hier in seiner ursprünglichsten und unberührtesten Form“, erklärt Reisebegleiterin Grete, die das Eiland seit Jahrzehnten ihre zweite Heimat nennen darf. Und wo sie Recht hat, hat sie Recht. Ob Thymian, wilder Salbei, Lavendel oder der berühmte Duft der Macchia – Korsika ist im wahrsten Sinne des Wortes „richtig dufte“. Das wusste nebenbei bemerkt auch schon Korsikas wohl berühmtester Sohn: „Mit verbundenen Augen würde ich Korsika an seinem Duft erkennen“, soll der große kleine Napoleon Bonaparte einmal über seine Heimat geschwärmt haben.

Bevor man aber selbst allzu sehr ins Schwärmen gerät und sich weiter von den Düften betören lässt, heißt es bereits „Weiter geht’s. Jetzt heißt’s strampeln.“ Denn Radguide Stefan läutet Runde zwei im korsischen „Bauch-Beine-Po-Programm“ ein. Abgesehen von den Beinen wird bei der Tour am Col de Barraglia nämlich auch der Allerwerteste trainiert. Wie das funktioniert? Stichwort: rumpelige Straßen. Denn während die Verkehrswege in tieferen Lagen perfekt ausgebaut und saniert sind, kommt man auf Nebenstraßen ab und zu doch ein wenig ins Holpern. Dem Spaß tut dies aber keinen Abbruch – entschädigt die Tour, die durch alte korsische Dörfer führt, doch für die Strampelei (und vielleicht auch für den Muskelkater am Tag danach). Abseits der touristischen Trampelpfade kann man nämlich noch Korsika, wie es leibt und lebt, genießen – der Fischverkäufer, der mit seinem Transporter durch die Gegend fährt und mit einer Glocke sein Kommen verkündet, miteingeschlossen.

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Nach getaner Arbeit darf dann aber auch nicht der verdiente Lohn, sprich eine ordentliche Mahlzeit fehlen. Und da kommt spät, aber doch und im weitesten Sinne des Wortes schließlich auch noch der Bauch auf seine Kosten. Denn die korsische Küche ist einfach nur „gschmackig“ und „guat“. Ob frischer Fisch, Wildschwein, Würste oder diverse Schinkenspezialitäten – auf mögliche Diäten hat man spätestens beim Blick auf die Speisekarte schnell vergessen. „Das müsst ihr auch probieren“, ertönt es von Grete, und als höflicher Gast folgt man natürlich der Aufforderung. Zum Glück, denn diesen Genuss vergisst man nicht so schnell: Der korsische Brocciu – ein Frischkäse aus Schafs- und/oder Ziegenmilch – ist nämlich einfach ein Gedicht und eigentlich kaum zu beschreiben. In diesem speziellen Fall war er übrigens Teil einer Tarte, er ist aber auch als Dessert erhältlich. Damit auch die Kehle immer feucht bleibt, empfiehlt es sich, entweder zu einem Muscat zu greifen, der übrigens am so genannten Cap Corse produziert wird, oder auch zu einem aus Malz und Kastanienmehl gebrauten Pietra-Bier. Kurzum – für Genussmenschen ist Korsika, das von vielen zu Recht als „Insel der Schönheit“ betitelt wird, ein richtiges Paradies.

Apropos Paradies: Abgesehen von kulinarischen und sportlichen Genüssen bietet die Insel auch genügend Highlights für Kunst- und Kulturinteressierte. Sei es der Wallfahrts- und Aussichtspunkt Notre Dame de la Serra, der über der Festungsstadt Calvi ragt, oder auch die Bergdörfer der Balagne. Besonders hervorzuheben ist dabei das Örtchen St. Antonino, das einst als Schutz vor den Sarazenen gegründet wurde und eines der ältesten und schönsten Dörfer der Insel ist. Doch auch der Ortschaft Pigna, die bekannt für ihre Kunsthandwerke ist, sollte ein Besuch abgestattet werden. Ein Abstecher zu den beiden im Norden der Insel befindlichen Städten Calvi und Corte darf auf der To-do-Liste ebenfalls nicht fehlen.

Eine Liste, die noch um zig Highlights verlängert werden könnte – wenn die Zeit nur reichen würde. Doch das Flugzeug wartet, und so heißt es Abschied nehmen von der liebenswerten Insel im Mittelmeer. Au revoir (auf Wiedersehen) – und das hoffentlich bald.


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