Neue Unterrichtsformen sind jetzt gefragt

96 Mittelschulen, zehn Hauptschulen: Nächstes Jahr ist die Umstellung abgeschlossen. Eine Bilanz am Beispiel Zirl.

© Volkmar Schulz / Keystone

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Die Umwandlung der Hauptschulen in Neue Mittelschulen geht in Tirol voran. Nach dem vorgegebenen Plan sollen nächstes Schuljahr die verbliebenen zehn Hauptschulen umstellen. (Fieberbrunn, Kirchberg, Kitzbühel, Kössen, St. Johann 1 und 2, Westendorf, Niederndorf, Serfaus-Fiss-Ladis und Pfunds).

In Zirl gibt es seit einem Jahr die Neue Mittelschule. „Der Einsatz für die Lehrer war exorbitant groß. Ein Zwölfstundentag war für das Team keine Seltenheit. Doch ich finde den Einstieg mehr als gelungen“, zieht Direktor Franz-Josef Wander Bilanz. Wie für die AHS-Lehrer im Bereich Zentralmatura sieht der Zirler Pädagoge mit der Reform die Stunde für neue Unterrichtsformen gekommen. Es stellt sich die Frage, wie viel vom alten System mitgenommen wird und wo die Qualitäten des neuen Systems liegen können.

Bereits bewährt haben sich die Teamarbeit der Lehrer und die Doppelklassenvorstandschaft. Der Lehrer hat „einen kritischen Freund an seiner Seite“, sagt Wander und bringt noch ein Anliegen auf den Punkt: „Jedes Kind braucht einen persönlichen Lehrplan. Früher hat ein Lehrer eine Klasse unterrichtet, heute unterrichtet er Individuen.“ Neben der Individualisierung lobt Wander die Möglichkeit einer differenzierten Förderung. Ein Plus bekommt auch die „ergänzende Leistungsbeschreibung“. Eine Schwäche des Systems sieht Wander dagegen in der Verpflichtung, weiter Noten zu geben. Zumal die Leistungsentwicklung des Kindes entscheidend sei und die könne auch ohne Ziffernnote mitgeteilt werden. Die Reform sei zu klein gedacht. Für ihn steht eine Schule der 6- bis 15-Jährigen im Raum. Durch das Gymnasium erfolge eine Separation der Gesellschaft.

Ein oft genannter Kritikpunkt gegenüber der Neuen Mittelschule trifft auch auf Zirl zu. Derzeit ist nur eine AHS-Lehrerin in Zirl tätig. Die Teambildung schätzt Wander in den nächsten Jahren als Herausforderung ein. Wobei sich ein Direktor das Personal nicht aussuchen kann. Diesen Umstand bemängelt auch der Wiener Bildungsexperte Andreas Salcher. Lehrer seien im 21. Jahrhundert Teamarbeiter, die „nicht nach Pausenglocken und starren Stundenplänen“, sondern nach den „Bedürfnissen der Kinder“ unterrichten.

Elternvertreterin Barbara Reumiller-Gantioler reicht das Feedback der Zirler Eltern weiter. Sie begrüßen das „ganzheitliche Betrachten“ der Kinder und die Verantwortung zweier Lehrer. Viele Eltern haben aber das Gefühl, dass man noch nicht weiß, wo der Weg hinführt.


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