Bedingte Haft für einen „Visionär“

Weil er an Gesellschaftern vorbei, Zehntausende Euro aus der eigenen Skischule in seine anderen Unternehmen leitete, wurde gestern ein Oberländer verurteilt.

(Symbolbild)
© Julia Hammerle

Innsbruck – Richter Josef Geisler brachte gestern einen durchaus komplizierten Fall auf einen einfachen Nenner. „Sie sind sicher ein Visionär, der viel für die Region geleistet hat. Aber sie sind kein Kaufmann“, schrieb er dem ehemaligen Besitzer einer Skischule ins Stammbuch. Der heute 49-Jährige widersprach dem auch gar nicht und akzeptierte die schlussendlich gegen ihn verhängte bedingte Freiheitsstrafe.

Jahrelang war die Skischule gut gelaufen. Doch der Oberländer konzentrierte sich dann auch auf andere Geschäftsfelder. Die kamen aber nicht so richtig in die Gänge. Und so griff er zu „einem völlig falschen Mittel“ und in die Kassa der Skischule, um seine anderen Projekte zu retten. „Ich muss sagen, dass mir das dann irgendwie über den Kopf gewachsen ist“, gestand der Angeklagte ebenso, wie dass ihm teilweise auch die „wirtschaftliche Kenntnis“ gefehlt habe.

Das Problem daran: die Gesellschafter der Skischule wussten davon nichts und wie die geladenen Zeugen gestern erklärten, wären sie mit dieser Vorgehensweise auch nicht einverstanden gewesen.

Trotz der Bedenken der Buchhalterin transferierte der Mann zwischen 2008 und 2010 Zehntausende Euro in die anderen Geschäfte. Wie viel Geld schlussendlich entnommen wurde, das vermochte das Gericht gestern nicht zu klären. 90.000 bis 150.000 Euro schätze der Angeklagte. Über 240.000 Euro waren auf einem Verrechnungskonto offen. „Ich war hier leider nicht der Genaueste“, gestand der Mann, dessen Unternehmen letztendlich in den Konkurs schlitterten. Das Gericht erkannte aber auch, dass der Mann nie in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Aufgeflogen waren die Geldtransfers, als die Unternehmensstruktur in eine KG umgewandelt wurde. Nach langwierigen internen Verhandlungen unter den ehemaligen Gesellschaftern kam es erst Monate später zu einer Anzeige. Die rechtskräftige Strafe: zwei Jahre Freiheitsstrafe, die bedingt nachgesehen wird. (mw)


Kommentieren