Ein Stück weit auf dem Weg mit den Schwabenkindern

Der Bezirksmuseumsverein organisierte einen Erzählabend mit Nachkommen von ehemaligen Schwabenkindern auf Schloss Landeck.

© Philipp Machac

Von Philipp Machac

Landeck –„Mein Onkel Hans musste bei seinem Bauern auf einem Ross sitzend ein anderes mit einem Stock treiben“, erzählt der Pettneuer Ossi Perktold den gespannten Zusehern auf Schloss Landeck. „Weil er dann vom Pferd fiel, wurde der Bauer ganz wild. Als ihn der Knecht am Abend fragte, was denn los sei, und ihm der kleine Hans von der Wut des Bauers erzählte, meinte der Knecht nur: Dir ist es eh noch gut ergangen, Tiroler Bua. Da hinten liegt ein Tiroler unter der Erde – den hat der Bauer für immer zum Schweigen gebracht!“

Geschichten wie diese spiegeln das tragische Leben der meisten Kinder in der damaligen Zeit wider, den so genannten Schwabenkindern. Um der Armut in den Familien entgegenzuwirken, mussten sie bis in die 40er Jahre ins Ausland ziehen, um zu arbeiten.

„Bereits mit zehn Jahren zog mein Großvater das erste Mal ins Schwabenland“, begann Erika Zach aus Land­eck mit ihren Erzählungen über Großvater Peter Hainz. Nur wer stark genug für die oftmals schwere Arbeit war, hatte überhaupt Chancen, auf den Märkten von einem Bauer mitgenommen zu werden. Gehandelt wurde die Kinderarbeit mit Geld und Kleidung.

„Verdient hat mein Vater Hermann bei seiner Arbeit im Engadin nichts, aber so war er zumindest für die Mutter keine Belastung“, weiß hingegen der Serfauser Altbürgermeister Georg Mangott. Mit seinem Vater kam Hermann das erste Mal mit zehn Jahren auf den Markt in Friedrichshafen und weil er dort den Vögeln nachging, mussten ihn der Vater und sein zukünftiger Arbeitgeber nach den Verhandlungen – 80 Mark und ein doppelter Hils (Ausrüstung) schauten dabei für den Kleinen heraus – erst einmal am Markt wiederfinden, erinnert sich Georg schmunzelnd an Erzählungen seines Vaters.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Bis zu 500 Bauern warteten an den Märkten auf die oftmals von Heimweh geplagten Schwabenkinder. „Obwohl mein Vater bei netten Bauern arbeitete, plagte ihn sehr bald die Sehnsucht nach seinem Zuhause und er flüchtete“, schildert Frau Zach. „Jeden Tag plagte ihn aufs Neue der Hunger. Als er in Langen am Arlberg in einem Gasthaus von der Wirtin versorgt wurde, kam er mit einem Gendarm ins Gespräch. Als er diesem erzählte, er wolle zu Fuß über den Arlberg, schenkte dieser ihm Geld für die Fahrt durch den Tunnel. Danach musste er aber wieder selber schauen, wie er nach Hause kommt“, erzählt Erika Zach den gespannten Zuhörern.

Organisiert wurde dieser Erzählabend von Nikolaus Köll, der durch den Abend führte, und Franz Geiger, der für das Interreg-IV-Projekt „Der Weg der Schwabenkinder“ im Museumsvereins zuständig ist.


Kommentieren