Durchgestylt und klar im Kopf

Das neue Babyshambles-Album „Sequel To The Prequel“ klingt überraschend fröhlich.

Der Dandy unter den Rockstars: Pete Doherty mit coolem Blick und schwarzem Anzug.Foto: Kevin Westenberg

Von Sabine Theiner

Innsbruck –Pete Doherty gilt als Enfant terrible des Musik-Business. Die Skandale, die er lieferte, sind gewissermaßen Oscar-verdächtig: Böse Exzesse mit seiner glamourösen Ex Kate Moss; ein Einbruch in einen Plattenladen in Regensburg mit dem deutschen Schauspieler August Diehl; Konzerte, zu denen er entweder gar nicht kam oder die er abbrechen musste, weil total dicht; das Päckchen Heroin, das ihm vor Gericht aus der Tasche viel. Die Liste seiner Eskapaden ist lang.

Die seiner musikalischen Glanzleistungen auch. „Sequel To The Prequel“, das er mit seiner Band Babyshambles veröffentlicht, ist sein neuer Geniestreich. Das Album ist, im Gegensatz zu den Vorgängern „Down in Albion“ (2003) und „Shotter’s Nation“ (2007), nicht mehr geprägt von einer schmerzhaften, romantischen Kaputtheit und ungestümen Wildheit. Jetzt gibt sich Doherty vital. „Sequel To The Prequel“ klingt, als wäre das Mastermind gesund und klar im Kopf (es muss allerdings noch abgewartet werden, ob das auch wirklich stimmt). Der Opener „Fireman“ ist ausgesprochen energiegeladen, kraftvoll und fröhlich – das überrascht. Auch die anderen elf Songs durchweht ein optimistischer und lebendiger Spirit, obwohl kein Stück fetzt wie das erste. Die Single „Nothing Comes To Nothing“ ist mit einer Lead-Gitarre, die sehr gut drauf ist, und einem Bass, der vor sich hertanzt, sehr lässig. „Farmer’s Daughter“ fällt mit seinem Mitsing-Refrain auf und in „Dr. No“ trumpfen die Babyshambles mit Reggae-Tönen auf. Und „Sequel To The Prequel“ swingt so locker, das könnte er glatt mit Frank Sinatra performen. Das herzhafte Gitarrengeschrammel, für das die Band steht, ist natürlich immer noch da: „Penguins“ oder „Seven Shades Of Nothing“ marschieren mit Elan voran und machen klar, dass die Jungs rocken können und wollen. Auch Dohertys typischer näselnder und kehliger Gesang ist geblieben. Ebenso wie sein Rockstar-Habitus, den er mit einem eleganten, schmalen, schwarzen Anzug unterstreicht. Diesen Style hat Hedi Slimane von Dior Homme für ihn kreiert und damit die Eleganz in den Rock’n’Roll gebracht.

Das Abgründige und Destruktive scheint Doherty überwunden zu haben, jetzt wirkt er fit. Wenn da mal die (böse) Überraschung nicht noch nachgereicht wird. Am 10. Dezember werden die Babyshambles im Wiener Gasometer erwartet. Hoffentlich kommen sie auch.

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