Verein will Defizit nicht mehr tragen

Der „Kinderfreunde“-Vorstand will den Abgang von 242.000 € bei der Kinderbetreuung nicht mehr finan-zieren. Land und Stadt sollen helfen.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Die SPÖ-nahen Kinderfreunde verstehen sich als Lobby für Kinder, Jugendliche sowie Familien und betreuen in Tirol u. a. neun Kindergruppen an sechs Standorten. In Tirol ist es ein gemeinnütziger Verein, der jetzt allerdings Alarm schlägt. In der Bilanz des Vorjahres klafft nämlich ein finanzielles Loch von 242.000 Euro, und auch für heuer rechnet Geschäftsführerin Reinhilde Wünsch mit einem Abgang von rund 100.000 Euro. „Der Verein ist jedoch nicht gefährdet, schließlich verfügt er über Immobilienvermögen“, sagt Wünsch.

Allein der Wert des Ferienhauses „Hoch-Innsbruck“ der Kinderfreunde auf der Innsbrucker Hungerburg wird mit rund 4,5 Mio. Euro beziffert. Eine Immobilie musste jetzt jedoch als Kreditbesicherung hergenommen werden, außerdem ist der Vereinsvorstand nicht mehr bereit, den Abgang zu decken.

Der ehemalige ÖGB-Vorsitzende Gerhard Schneider betreut die Tiroler Kinderfreunde als Unternehmensberater. „Die finanziellen Probleme sind einzig und allein auf die zusätzlichen Aufwendungen für die Erfüllung des neuen Kinderbetreuungsgesetzes zurückzuführen“, erklärt er gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Die neuen Richtlinien seien zwar gut, das Land habe auch die Förderungen erhöht, „aber das reicht nicht aus, um den Personalaufwand abzudecken“, fügt Schneider hinzu. Und keinesfalls, so Geschäftsführerin Reinhilde Wünsch, wolle man die Elternbeiträge massiv erhöhen.

Von den 242.000 Euro Abgang entfallen 160.000 auf die Kinderbetreuung. Schneider: „Der Vorstand muss jetzt reagieren, ansonsten geht es wirklich auf die Substanz.“ Das hat der Vereinsvorstand auch gegenüber dem Land Tirol und der Stadt Innsbruck klargemacht. Sollte es keine zusätzliche finanzielle Unterstützung geben, steht ein Aus für die Kindergruppen im Raum. Jeweils um 80.000 Euro Förderung haben die Kinderfreunde beim Land und bei der Stadt angesucht.

Bereits in der kommenden Woche will sich die Tiroler Landesregierung mit dem finanziellen Hilfeschrei der Kinderfreunde auseinandersetzen. Wahrscheinlich dürfte das Förderansuchen gewährt werden. Gerhard Schneider spricht in diesem Zusammenhang von positiven Vorgesprächen.


Kommentieren


Schlagworte