Freiwillige erheben Wasserwaale

Ein Archäologe und ein Landschaftsingenieur werden beim Projekt, Tirols Wasserwaale zu dokumentieren, vom Land Tirol unterstützt. Die Gemeinde Oberhofen tritt dabei als Trägergemeinde auf.

Von Sabine Kuess

Oberhofen –Werner Holzner aus Telfs und Stefan Hellebart aus Schwaz haben es sich schon vor einiger Zeit zum Ziel gesetzt, Bewässerungssysteme, die auf das 12. Jahrhundert zurückgehen, in Tirol zu erforschen. Bisher fehlten den beiden aber nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch der politische Rückhalt. Nach einem Bericht in der Tiroler Tageszeitung vom Dezember 2012 sprachen der Archäologe und der Landschaftsingenieur beim für Dorferneuerung zuständigen Landesrat Johannes Tratter vor und waren erfolgreich.

„Im Juni haben wir das Schreibe­n bekommen, dass das Land die Kosten für die Bestandsaufnahme übernimmt. Zu der Zeit konnten wir aber noch nicht anfangen“, erklärt Werner Holzner im Gespräch mit der TT. Mit der Gemeind­e Oberhofen fanden die beiden engagierten Forscher auch eine Trägergemeinde, welche die Kosten vorfinanziert. Den notwendigen Gemeinderatsbeschluss dazu fassten die Oberhofer Mandatare am Donnerstagabend in der jüngsten Sitzung. „Die Rechnungen werden von der Gemeinde beglichen, wir verrechnen das dann mit dem Land“, beschreibt BM Peter Daum das Prozedere.

Die Verbindung zu Oberhofen kam durch Altbürgermeister Helmut Kirchmair, der sich selbst für das Thema der Wasserwaale interessiert. Für das Projekt von Holzner und Hellebart sind auf vier Jahre Kosten von insgesamt 38.000 Euro vorgesehen. „Ein großer Teil unserer Arbeit ist ehrenamtlich, weil wir begeistert sind für die Sache“, erklärt Holzner. Für ihre Aufenthalte während der Forschung bekommen sie die Unterkunft sowie die Anfahrt vergütet. „Ich muss nicht reich werden damit. Wir wollen etwas hinstellen, das dem Land und der Bevölkerung nützlich ist“, betont Holzner. Ihre Ergebnisse wollen sie in einem Buch veröffentlichen, dafür gibt es Gespräche des Landeskultur­amtes mit dem Studienverlag. Holzner: „Dann kann jeder, der gern auf einem Waal spazieren will, einfach anhand der Koordinaten zu dem Waal gelangen.“

Für Hellebart ist ihre Arbeit nun „die Vorstufe. Es ist eine Erhebung über den Zustand, den geschichtlichen Werdegang und mehr“, erklärt er. Hinterher müsse man entscheiden, welcher Wasserwaal von so großer Bedeutung ist, dass man ihn unter Denkmalschutz stellt. „Das wäre unser Ziel für Tirol“, erklärt Holzner und ergänzt: „Wir müssen natürlich bei den Chronisten und Bürgermeistern vor Ort anfragen. Es ist wichtig, dass sie uns unterstützen.“

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Heute beginnen die beiden Forscher mit ihrer Arbeit in Landeck. „Wir werden im Frühjahr und Herbst arbeiten, damit die Bauern keinen Schaden haben“, sind sie sich einig. Für heuer werden sie noch ein Budget von 2700 Euro benötigen, die kommenden zwei Jahre sind mit je 5400 Euro veranschlagt. 2016 werde man ein Budget von 6400 Euro einkalkulieren, erklärt Bürgermeister Daum, der von dem Projekt überzeugt ist: „Das Thema ist aktueller denn je. Man muss nur auf die vergangenen zwei Monate zurückdenken. Gerad­e in solchen Zeiten ist man auf eine gute Bewässerung angewiesen.“

Der Zeitplan Hellebarts und Holzners sieht vor, dass sie heuer im Herbst mit der Untersuchung in Landeck beginnen, im Frühjahr 2014 gehen die Erhebungen im Großraum Imst weiter, ehe sie im Herbst 2014 Nauders erforschen. 2015 folgen dann Waalforschungen in Haiming und schließlich im Herbst die Zone Telfs. Im kommenden Monat unternehmen die beiden auch eine Reise in die Schweiz, auch in Schluderns (Südtirol) haben sie sich bereits Tipps geholt. Dort arbeitet man seit Längerem an der Erforschung von Waalen.


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