Slowakischer Premier könnte mit Liebschaft bei Wählern punkten

Journalisten hatten den Premier vorige Woche beobachtet, als er in der Nacht eine 27-jährige Mitarbeiterin seines Sekretariats vor deren Wohnhaus küsste. Fotos davon erschienen in nahezu allen Zeitungen. Politologe Miroslav Kusy meint, dass Fico damit höchst wahrscheinlich vor allem bei der männlichen Wählerschaft punkten könnte und sein Image eines volksnahen Politikers stärke.

Das Misstrauensvotum gegen den slowakischen Premier Robert Fico wurde vertagt.
© Reuters/Stoklasa

Bratislava - Wegen eines angeblichen Abenteuers mit seiner um 21 Jahre jüngeren Sekretärin muss der verheiratete slowakische Premierminister Robert Fico nach Meinung von Analysten paradoxerweise nicht mit politischem Schaden rechnen, sondern kann auf steigende Wählerunterstützung hoffen. Die Affäre von Fico sorgt seit Tagen für Aufregung in den slowakischen Medien. Journalisten hatten den Premier vorige Woche beobachtet, als er in der Nacht eine 27-jährige Mitarbeiterin seines Sekretariats vor deren Wohnhaus küsste.

Fotos davon erschienen in nahezu allen Zeitungen. Fico ließ mitteilen, es gebe dazu nichts zu kommentieren. Diesen Mittwoch erschien er dann nicht wie sonst auf der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung - um unangenehmen Fragen zu entgehen, so die Mutmaßung.

Die Affäre sei zwar ein Faux Pas, den gläubige Wähler negativ wahrnehmen könnten, erklärte der Politologe Miroslav Kusy für die Tageszeitung „Sme“ am Freitag. Negative Konsequenzen seien aber nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Fico werde höchst wahrscheinlich vor allem bei der männlichen Wählerschaft sogar noch punkten können und sein Image eines volksnahen Politikers stärken. „Man wird sich sagen: Er ist ein normaler Mann“, so Kusy. In der Slowakei sei die Öffentlichkeit gegenüber derartigen Skandalen nicht besonders sensibel, so auch die Soziologin Olga Gyarfasova.

Ähnlich war es im Nachbarland Tschechien, wo gleich drei Ministerpräsidenten Beziehungen zu jüngeren Frauen einräumten: Jiri Paroubek, Mirek Topolanek und kürzlich auch Petr Necas.

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Spekulationen um Präsidentschaftskandidatur

Die Affäre in der Slowakei spielt vor dem Hintergrund des Rätselratens rund um eine eventuelle Kandidatur Ficos bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühjahr. Während der Premier eine Kandidatur weiterhin nicht bestätigen will, beurteilen Politologen ein Antreten als immer wahrscheinlicher.

Fico, populärster Politiker des Landes, würde die Präsidentenwahl wohl gewinnen und könnte seine politische Karriere mit dem Amt des Staatsoberhauptes krönen. Sein Wahlsieg würde aber eine Regierungsumbildung fordern. Einen offiziellen „Kronprinzen“ als Premier und Chef der Smer-Partei hat Fico nicht, wenn in diesem Zusammenhang auch die Namen von Innenminister Robert Kalinak und Parlamentspräsident Pavol Paska gefallen sind. (APA)


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