Ein Tänzer tritt nicht leiser

Ferry Polai feiert morgen seinen 69. Geburtstag. Kein Grund für den Tiroler Tanzguru kürzerzutreten. Im Gegenteil. Er will noch einmal Gas geben.

Die weltbesten Paare in den lateinamerikanischen Tänzen gastieren auch heuer wieder in der Olympiahalle. Ferry Polai gibt dafür noch einmal Vollgas.Fotos: Murauer
© TT / Thomas MURAUER

Von Marco Witting

Innsbruck –Rückschritt? Leiser- oder kürzertreten? Nein. Ferry Polai tritt noch einmal so richtig an, tänzelt von einem Großereignis zum nächsten, steppt über das gesellschaftliche Parkett, genauso gut wie über das in den neuen Tanzschulräumen. Und das alles einen Tag vor seinem 69. Geburtstag.

Die neuen Räume am Innrain 7 in den Innsbrucker Ursulinen bezeichnet Ferry Polai als seine neue „Kraftquelle“. Dass er die liebgewonnenen Räumlichkeiten bei den Stadtsälen jetzt an die Stadt übergibt, sei kein Problem. Wehmut komme nicht auf. Nur ab und zu fahre er noch aus Gewohnheit zur alten statt zur neuen Tanzschule. Das wird wohl auch einigen seiner Schüler so gehen. 33 Jahre lang war die Schule hier zu Hause. Insgesamt 100.000 Tiroler, so rechnet Polai vor, hätten hier im Laufe der Jahre Stunden genommen.

Ferry Polai blickt über seine bunte Brille. „Jetzt gebe ich noch einmal Gas“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht. Und das, obwohl heuer statt Urlaub Baustelle angesagt war. Die neue Tanzschule ist so gut wie fertig. Der Öffentlichkeit präsentieren will er sie aber erst bei der offiziellen Eröffnung am kommenden Wochenende. Da gibt es eine Eröffnungs-Tanzparty für alle (Freitag) und einen Tag der offenen Tür am Samstag, 7. September (10 bis 16 Uhr). Die Tanzfläche in den neuen Räumen wurde schon eingeweiht. Standesgemäß von Profitänzerin Tochter Julia Polai, die das Parkett zum Training für die Weltmeisterschaft nutzte.

Doch das ist längst nur der Auftakt für die intensivsten Wochen des Jahres für den Tausendsassa. Schon am 13. September um 13 Uhr tritt der leidenschaftliche Innsbrucker mit ungarischen Wurzeln an, um die Maria-Theresien-Straße zum Tanzen zu bringen. Heuer soll nämlich der Weltrekord im Cha-Cha-Cha aus New York nach Innsbruck wandern.

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Dafür muss es eben an diesem Tag gelingen, mehr als 2600 Tiroler auf die Beine und in den richtigen Tanzrhythmus zu bringen. „Der Kontakt mit Schulen steht. Dieses Mal schaffen wir das“, ist der energiegeladene Fast-69er sicher. Dabei ist der Weltrekordversuch ohnehin nur der Appetithappen für das Galamenü, das Polai am 12. und 13. Oktober dem Innsbrucker Tanzpublikum präsentiert.

World Master’s in der Olympiahalle: 800 bis 1000 Tanzpaare werden dafür heuer erwartet, weshalb die Veranstaltung auch heuer wieder in die große Halle ausweicht. 1800 Karten werden dafür aufgelegt. Der Vorverkauft läuft gut, sagt Polai und weist auf die Bedeutung des Turniers als Wirtschaftsfaktor für die Landeshauptstadt hin.

Die große Halle sei zwar für ihn, der mit seinem Team alles organisiert, ein Risiko. Doch das geht Polai ein. „Ich möchte meiner zweiten Heimat irgendetwas zurückgeben. Und deshalb wollte ich immer Innsbruck zu einer Tanzhauptstadt machen. Ich denke, das ist gelungen.“

Ob er noch selber tanzt? Natürlich, entgegnet er. „Täglich vier bis sechs Stunden“, erklärt Polai. „Es hält mich jung. Genauso wie der Umgang mit den Jugendlichen. Und die grauen Zellen bleiben auch frisch.“ Dass er gar nicht kürzertreten könne, stimme so aber nicht. Er freue sich auf die Zeit im Garten, wenn seine Tochter nach ihrer Profikarriere dann das Zepter in die Hand nimmt.


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