IFA 2013: Berlin zeigt, wohin die Reise geht

Diesen Freitag startet die Internationale Funkausstellung in Berlin. Sie könnte das Zusammenwachsen von allem einläuten.

Von Georg Holzer

Berlin –Wenn am Freitag die Tore zur 53. Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin geöffnet werden, zeigen Tausende Hersteller aus aller Welt, was wir vielleicht zu Weihnachten kaufen wollen – oder zumindest, was sie uns verkaufen möchten. Mit vielen Neuheiten werden tatsächlich Trends gesetzt. Trends, welche in den nächsten Monaten oder vielleicht auch Jahren in der Technikwelt prägend sein werden. Aber nicht alles, was die Industrie will, wird in der Folge ein Renner – der 3D-Heimkino-„Trend“ etwa war am Ende ein Megaflopp.

Der Generaltrend lautet: Alles ist vernetzt und wächst zusammen. Ein Netzwerkanschluss alleine macht nämlich noch recht wenig. Geräte können zwar vielfach mit Apps bedient werden, sind aber ansonsten wenig intelligent. Durch Heimautomatisierung sprechen Geräte quasi auch miteinander. Die Heizung wird abhängig vom Aufenthaltsort gesteuert, das Radio oder der Fernseher wird leise, sobald wer anruft.

1.Fernseher: TV-Hersteller sind verzweifelt auf der Suche nach Neuem, um den Umsatzeinbruch des letzten Jahres (minus 25 Prozent) abmildern zu können. Dafür verantwortlich sind nicht nur mangelnde Ersatzbeschaffungen, sondern ein brutaler Preiskampf. Selbst Diagonalen jenseits der 50 Zoll gibt es schon deutlich unter 1000 Euro. Ein Mittel gegen den weiteren Preisverfall: noch schärfere Bilder durch eine Vervierfachung der Pixel. Statt 1920 x 1080 Bildpunkten wie bei Full HD gibt es nun Modelle mit 3840 x 2160 Pixeln. Das nennt sich Ultra High Definition TV oder kurz: 4k. Die neue Fernseher-Generation liefert zwar wirklich atemraubende Bilder, bringt allerdings bei normalem Sitzabstand eine kaum bessere Bildqualität. Käuflich erwerbbar sind sie ab etwa 4000 Euro. Chinesische No-Names könnten den Markt schon bald mit Billigware für 2000 Euro überschwemmen.

2.Soundsysteme profitieren derzeit am meisten vom Teamwork mit Smartphone und Tablet. Für die einfache Verbindung sorgen nun NFC-Funkchips. Berührt das Handy den Lautsprecher, werden diese automatisch gepaart und können fortan miteinander kommunizieren. Auch im Audiosegment gibt es einen tieferen Trend zur Vernetzung: Praktisch jeder Hersteller hat nun vernetzte Multiroom-Systeme im Programm. Dabei können mittels App nicht nur die Inhalte (Internet-Radio, MP3-Sammlungen, Musikstreaming-Dienste etc.) ausgewählt werden. Räume können mit einem Fingerdruck dazu- und weggeschalten werden. Oder jeder im Haus hört das, was ihm gefällt, wo er dies wünscht.

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3.Digitalkameras bekommen immer öfter ein Wlan-Modul, das die Übertragung der Bilder auf mobile Geräte ermöglicht. Damit verbindet man das Beste beider Welten: gute Bildqualität sowie Apps zur Bearbeitung und das Internet zum Weiterleiten. Viele Kameras nehmen bereits in der ultrahohen Auflösung (UHDTV bzw. 4k) auf. Interessant ist der Trend zu Zusatzobjektiven für Handys, mit denen man selbst bei schlechten Lichtverhältnissen bessere und schärfere Bilder mit noch höherer Auflösung zustande bringen soll.

4.Mobile Geräte wie Smartphones, Tablets oder Notebooks werden auf der IFA in rauen Massen gezeigt. Die seit Juni erhältlichen Intel-Chips („Haswell“) sind sparsam und sorgen so für extrem lange Akkulaufzeiten von bis zu zwölf Stunden. Dazu hat Intel die Regeln geändert: Hersteller, die ihre Notebooks „Ultrabooks“ taufen wollen, müssen nun auch Touchscreens für Windows 8 verbauen. Immer öfter gibt es zudem auch Bildschirme mit sehr hohen Auflösungen. Auch wenn auf der IFA viele Smartphones und Tablets präsentiert werden, lohnt sich das Warten hier definitiv. Die nächsten iPhones werden schon bald vorgestellt (voraussichtlich am 10. September) und es ist gut möglich, dass Google im Herbst mit Android 5.0 etwas ganz Neues anbietet.

5.Heimautomatisierung: Wohnungen werden sich durch die komplette Vernetzung aller möglichen Geräte enorm verändern. Kaum ein Hersteller von Elektrogeräten verzichtet derzeit bei Topmodellen auf App-Steuerung. Doch nicht jede App-Anbindung ist auch sinnvoll – so kann man durchaus auch hören, wann eine Waschmaschine fertig ist. Die Herausforderung besteht nun darin, all diese Geräte miteinander zu verbinden. Die interessantesten Ansätze kommen dabei aus der OpenSource-Szene. OpenHAB etwa nennt sich ein Projekt, das sich derzeit noch in den Startschuhen befindet. Durch so genannte „Bindungen“ kann man aus einer zentralen App oder über das Web herstellerunabhängig eine Vielzahl von Geräten ansprechen.


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