Chemie-Uni bleibt gesperrt

Die Innsbrucker Uni ist mit ihrem Einspruch gegen die Sperre des Chemiegebäudes teilweise abgeblitzt. Das entschied jetzt der Unabhängige Verwaltungssenat.

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –Der Streit zwischen Innsbrucker Uni und Stadtmagistrat um die Schließung der radioaktiv verseuchten Alten Chemie ist entschieden: „Das Gebäude bleibt gesperrt“, fasst Edith Margreiter vom Stadtmagistrat die Entscheidung des Unabhängigen Verwaltungssenats zusammen. Anders ausgedrückt: Die Stadt hat sich in den wesentlichen Punkten durchgesetzt, die Uni ist mit dem Berufungsbegehren weitgehend abgeblitzt.

Die Vorgeschichte: Mitte April ist beim „unsachgemäßen Umgang mit Americium 241“ (Auszug aus der UVS-Entscheidung) radioaktive Strahlung in der Alten Chemie am Innsbrucker Innrain ausgetreten. Die Substanz hätte von einem pensionierten Professor und seiner Assistentin für den Transport ins Kernforschungszentrum Seibersdorf vorbereitet werden sollen. Der immer noch außerordentliche Professor und die Mitarbeiterin wurden einer hohen Strahlendosis ausgesetzt, das Gebäude auch im Außenbereich kontaminiert.

Zwei Wochen später sorgte dieselbe Americium-Probe in Seibersdorf für einen weiteren Strahlenunfall. Weil ein Behälter laut Seibersdorf-Geschäftsführung stark kontaminiert und außerdem unzureichend beschriftet war, wurden Anfang Mai zwei Mitarbeiter einer deutlich erhöhten Strahlendosis ausgesetzt.

Dieser Zwischenfall war dann der Auslöser für eine weitere Strahlenmessung in Innsbruck. Und die ergab, dass das Isotopen-Labor in der Alten Chemie kontaminiert war. In der Folge stellte sich auch heraus, dass der Professor und seine Assistentin mit einer gesundheitsgefährdenden Dosis kontaminiert wurden.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Der Stadtmagistrat als zuständige Sicherheitsbehörde reagierte rasch. Die Abteilung „Allgemeine Bezirks- und Gemeindeverwaltung“ verhängte nach dem Bekanntwerden der beunruhigenden Mess­ergebnisse eine Sperre des gesamten Gebäudes. Außerdem wies die Stadtverwaltung die Uni an, „Kontaminierungsmaßnahmen“ in den Privaträumen und den Autos der beiden Strahlenopfer durchzuführen.

Die Uni wehrte sich gegen den Bescheid. Einerseits aus Zweifel an der Zuständigkeit der Bürgermeisterin und damit des Stadtmagistrats. Andererseits wehrte sich die Universität gegen die Weisung, bei den Strahlenopfern tätig zu werden. Außerdem seien keineswegs alle Bereiche des abbruchreifen Chemiegebäudes verstrahlt.

Das Ergebnis der Berufung war zunächst eine Verhandlung am Unabhängigen Verwaltungssenat in der Michael-Gaismair-Straße in Innsbruck. Die Sitzung ging Anfang Juli unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne. Aus Rücksicht auf die Privatsphäre der beiden Strahlenopfer, begründete damals Richter Christoph Lehne.

Die Entscheidung bezüglich der Uni-Berufung hätte binnen zwei Wochen fallen sollen. Doch dann entschloss sich Lehne, die Ergebnisse weiterer Stahlenmessungen abzuwarten. Und die ergaben, dass Teile des Gebäudes weiterhin kontaminiert sind.

Entsprechend bestätigte Lehne im Wesentlichen die Entscheidung des Stadtmagistrats, das Gebäude zu sperren. Im Urteil wird sogar ein Wachdienst angesprochen, der künftig Unbefugte von der Alten Chemie fernhalten soll.

Allerdings gibt es jetzt Ausnahmen für die Schließung des Gebäudes, etwa bei Räumungs- und Dekontaminierungsarbeiten oder bei Gefahr in Verzug. Bisher hätten Einsatzkräfte um Erlaubnis fragen müssen, um bei einem Notfall ins Gebäude zu dürfen. Wie etwa jene Polizeibeamten, die kürzlich den Schießstand im Keller der Alten Chemie untersuchten.

Aber auch die Weisung an die Uni, den Privatbereich der Opfer zu untersuchen, wurde aufgehoben. „Es liegt auf der Hand, dass die Uni nicht die Kontaminierungsmaßnahmen in der Wohnung, im Büro und im Pkw vollstrecken kann“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist allerdings noch unklar. Das Gebäude muss vor der endgültigen Räumung und dem geplanten Abriss dekontaminiert werden. „Ein Zeitplan wurde uns von der Uni allerdings noch nicht vorgelegt“, sagt Edith Margreiter vom Stadtmagistrat.

Ein Problem könnten auch die Kosten für die Entsorgung des radioaktiven Bauschutts werden.


Kommentieren