Vonn will Gold – und noch mehr

Ein halbes Jahr nach ihrem verhängnisvollen Sturz im WM-Super-G in Schladming ist Lindsey Vonn wieder in ihrem Element, also auf Schnee – die US-Ikone schnallt in Portillo (Chile) ihre geliebten Brettln wieder an.

Von Josef Metzger

Vail, Portillo –Während ihr Golf-Tiger-Woods trotz schmerzhafter Rückenprobleme nach Boston zum zweiten FedEx-Cup-Play-off-Turnier (1. Tag, Platz 34/–3) jettete, düste Lindsey Vonn in die andere Richtung nach Südamerika. Genauer gesagt flog sie via Santiago nach Portillo in den chilenischen Anden, den WM-Ort 1966, um dort ein halbes Jahr nach dem folgenschweren WM-Sturz von Schladming die ersten Schritte und Schwünge in den Schnee zu wagen. „Höchste Zeit, ich hab’ es kaum mehr erwarten können“, erklärte Vonn in einem TV- und US-Today-Interview, „mein Knie ist wieder so stark wie vor dem Unfall. Ich habe dafür in der Reha und Kraftkammer Wochen, nein Monate lang geschuftet!“

Martin Hager, ihr österreichischer Red-Bull-Konditionstrainer, will die beste US-Skiläuferin aller Zeiten aber am kurzen Zügel halten, damit sie in ihrem euphorischen Tatendrang nicht übers Ziel hinausschießt. „Wir werden es sachte angehen, auf jeden Fall darauf achten, dass das malträtierte, operierte Knie nicht anschwillt.“ Nachsatz: „Am wichtigsten ist es, dass sie einmal zwei Tage lang schmerzfrei trainiert, dann kann man weiterschauen.“

In ihrer ski- und schneelosen Zeit hatte sich die Olympiasiegerin, Doppelweltmeisterin und vierfache Weltcup-Gesamtsiegerin vor allem ihrer Familie und ihrem Freund Tiger Woods gewidmet, mit dem sie als Topsportlerin ein Herz und eine Seele ist. Er hatte mit ihr gelitten, sie litt zum Auftakt der FedEx-Serie mit ihm, als er bei einem „Mishit“ (ins Wasser) vor Schmerzen in die Knie gegangen war. „Da dachte ich schon, dass er aufgeben muss. Er hat aber die Zähne zusammengebissen, ist Zweiter geworden. Er ist ein Wettkampftyp wie ich, der alles dem Erfolg unterordnet.“ Sogar die Gesundheit.

Mit ihm teilte Vonn nicht nur Tisch und Bett, sondern auch alle möglichen sportlichen Aktivitäten, um möglichst schnell wieder fit zu werden. „Aber außer im Skifahren und im Hand­abschlagen, wie es die Kinder tun, hab’ ich gegen ihn keine Chance – weder im Tennis noch im Golf.“ Und auch als Skiläufer ist Tiger keine Null, ganz im Gegenteil – er teufelt sogar über schwarze Pisten. Da ist und bleibt wohl Frau Vonn tatsächlich die bessere Hälfte.

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„Klar will ich wieder Weltcup-Rennen gewinnen, ich werde aber nicht in Panik verfallen, wenn es nicht gleich klappt. Mein Fokus liegt auf Sotschi und den Olympischen Spielen – ich will meine Goldene in der Abfahrt verteidigen. Und wenn möglich noch mehr Medaillen holen!“ WM-Sturz hin, zerfetztes, geflicktes Knie her – die Amerikanerin scheint standfester denn je. Als sie sich auf einem wackeligen Brett über einem Reifen in geduckte Abfahrtshaltung begeben hatte und dabei von Hager mal rechts, mal links gestoßen wurde, machte Vonn keinen Mucks, blieb felsenfest in Position. Portillo und der nächste Olympiawinter können kommen ...


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